Nachhaltiges Wirtschaftswachstum im Norden Afghanistans stärken

Um das Wirtschaftswachstum nachhaltig anzukurbeln, die Erträge afghanischer Landwirte zu steigern und die Beschäftigung im Land zu fördern, unterstützt Deutschland wirtschaftliche Vorhaben in den nördlichen Regionen des Landes.

Situation

Die afghanische Regierung hat in den vergangenen Jahren Weichen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gestellt. Dennoch fehlt es in öffentlichen und privaten Institutionen weiterhin an Expertise und Strukturen. Darüber hinaus verschlechtern Korruption, mangelnde Rechtssicherheit und die schwankende Sicherheitslage das Investitionsklima.

Der Landwirtschaft kommt im Bereich wirtschaftliche Entwicklung eine besonders wichtige Rolle zu. Denn: Die Einkommen von etwa 60 % der Haushalte in Afghanistan hängen von der Landwirtschaft ab. Rund zwei Drittel der afghanischen Bevölkerung sind im Agrarsektor tätig. Um das ökonomische Potenzial dieses Wirtschaftsfaktors besser zu nutzen, müssen unter anderem die Rahmenbedingungen grundsätzlich verbessert werden. Staatliche Dienstleistungen zur Förderung von landwirtschaftlichen Betrieben (z. B. Zugang zu Krediten, Schaffung von Bewässerungs- und Lagersystemen, Beratung der Landwirte) sind bislang nicht oder kaum vorhanden.

Ziel

Die Programme im Rahmen der nachhaltigen Wirtschaftsförderung zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der afghanischen Wirtschaft zu stärken und neue Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen – für Männer und Frauen. Dabei werden gesetzliche und institutionelle Rahmenbedingungen sowie Förderstrukturen für die Privatwirtschaft verbessert.

Maßnahmen & Wirkung

Im Bereich nachhaltige Wirtschaftsförderung sind die Aktivitäten der deutsch-afghanischen Entwicklungszusammenarbeit vielseitig: Zum einen unterstützt die KfW den Ausbau der größten Mikrofinanzbank des Landes, der First Micro Finance Bank (FMFB) Afghanistan, und trägt zur Vergabe von Krediten an kleine und mittlere Unternehmen bei – ganz besonders in ländlichen Gebieten. Darüber hinaus berät die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH eine Vielzahl von Schlüsselakteuren und teilt mit diesen fachliches Know-how, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln – das Spektrum reicht von politischen Akteuren und Interessenvertretungen über Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Landwirte. Nicht zu vergessen einzelne bauliche Maßnahmen, welche die wirtschaftliche Infrastruktur verbessern.

In Zusammenarbeit mit der FMFB fördert die KfW eine langfristige Refinanzierung, die es der Bank ermöglicht, die Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) zu steigern. Das ist im Vergleich zur Mikrofinanzierung risikoreicher, hilft allerdings, der wachsenden Nachfrage auch im ländlichen Raum Nordafghanistans gerecht zu werden. Das kurbelt die Wirtschaftskraft des ganzen Landes an. Durch die Kreditvergabe wird Produzenten und Unternehmen der Zugang zu Finanzdienstleistungen insgesamt erleichtert und das Geschäfts- und Investitionsklima verbessert. Die FMFB beschäftigt in 14 Provinzen des Landes mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bislang wurden rund 60.000 Mikrokredite mit einem Durchschnittsbetrag von etwa 900 Euro und mehr als 1.000 Darlehen an KMU vergeben. 17 % der Kreditnehmer sind dabei Frauen.

Ähnlich verhält es sich mit der Kreditvergabe der Stiftung Afghan Credit Guarantee Foundation (ACGF) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Bisher konnten mehr als 4.300 Einzelkredite mit einem Gesamtvolumen von knapp 140 Millionen Euro vergeben werden. Dadurch entstanden rund 7.200 Arbeitsplätze. Ein Unternehmen zur Montage von Motorrädern in Herat, das einen Kredit über 540.000 Euro erhielt, konnte die Anzahl seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von 12 auf 43 und das Kapital von ursprünglich 90.000 auf 3,6 Millionen Euro erhöhen.

Beratungsaktivitäten und technische Weiterbildungen im Wirtschaftssektor der deutsch-afghanischen Entwicklungszusammenarbeit konzentrieren sich auf fünf Wertschöpfungsketten: Geflügel, Molkereiprodukte, ausgewählte Gemüsesorten, Weizen und Nüsse. Maßnahmen auf Distrikt-, Provinz- und nationaler Ebene richten sich an alle wichtigen Handlungsakteure der jeweiligen Wertschöpfungskette: Landwirte, Zulieferer, Verkäufer, Unternehmer, Kooperativen und politische Akteure. Somit soll möglichst ein vollständiger Zyklus ergebnisorientiert abgedeckt werden, der alle Interessen berücksichtigt. Im Einzelnen decken die Aktivitäten folgende Aufgabenbereiche ab:

  • Dialoge zwischen der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Sektor auf Distrikt-, Provinz- und nationaler Ebene: Berichte über Hemmnisse in der Produktion und dem Verkauf von besagten Produkten finden dadurch Gehör und die Hemmnisse können beseitigt werden.
  • Akteure in den fünf Wertschöpfungsketten erhalten technische, organisatorische und betriebswirtschaftliche Weiterbildungen. Durch Veranstaltungen wie beispielsweise Messen zu den verschieden Produktreihen wird der Austausch unter allen Akteuren gefördert.
  • Die ländliche Infrastruktur wird durch Maßnahmen wie die Instandsetzung und den Aufbau von Bewässerungssystemen sowie Lagerhallen verbessert.


Bislang konnten im Zeitraum von 2015-2016 dank dieser Maßnahmen etwa 12.800 neue Arbeitsplätze im Landwirtschaftssektor geschaffen werden. Zudem wurden durch die verschiedenen Aktivitäten neue Prozesse und Innovationen angeregt, die zur Einkommenssteigerung landwirtschaftlicher Akteure beigetragen haben.
Darüber hinaus unterstützen einzelne bauliche Maßnahmen die Verbesserung der wirtschaftlichen Infrastruktur. Aktuell geplante Maßnahmen werden sich besonders positiv auf den Weizenanbau in Afghanistan auswirken. Darunter fallen beispielsweise die Rehabilitierung kleinerer Bewässerungssysteme in den Nordprovinzen sowie einzelne Straßen, Brücken oder Lagermöglichkeiten. Langfristig werden durch eine Intensivierung des Weizenanbaus sowie Ertragssteigerungen saisonal wiederkehrende Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen und das Einkommen bäuerlicher Familien wird gesteigert.

 

Übersicht

Engagement in den Provinzen Badakhshan, Baghlan, Balkh, Kabul, Kunduz, Takhar.
Programm:
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigungsförderung (SEDEP), First Micro Finance Bank Afghanistan (FMFB), Economic Infrastructure Development Afghanistan (EIDA, ab 2017), Employment Promotion (J4P – Maintenance Cash Grants, ab Ende 2016)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Afghanische Ministerien: Ministerium für Wirtschaft, Ministerium für Finanzen, Ministerium für ländliche Rehabilitierung und Entwicklung, First Micro Finance Bank Afghanistan (FMFB), Afghanistan International Bank (AIB) und Ghazanfar Bank
Durchführungs-organisationen:
KfW, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Badakhshan, Baghlan, Balkh, Kabul, Kunduz, Takhar, Samangan
Programmziel:
Steigerung von Beschäftigung und Einkommen in den geförderten Wirtschaftssektoren im Norden Afghanistans Gesamtlaufzeit: Seit Januar 2014