Milch schafft Einkommen und Arbeitsplätze

Wer im Norden Afghanistan mit Milch Geld verdienen will braucht Ausdauer. Die Bauern halten nur eine bis drei Kühe, die Hygiene beim Transport ist mangelhaft und Importmilch aus Pakistan und Iran beherrscht den Markt. 2013 wurde die Pakiza Molkerei in Mazar-e Sharif gegründet, eine Erfolgsgeschichte.

Mit dem Aufbau der Pakiza Molkerei wird eine Vision umgesetzt. Schon nach wenigen Jahren verarbeitet das Unternehmen heute jeden Tag mehr als 3.000 Liter Milch zu pasteurisierter Trinkmilch, Frischkäse, Sahne, Butter, Buttermilch und Quark. Für 3.500 zuliefernde Bauern, die einen Teil ihrer Milch immer für den Eigenbedarf nutzen, bedeutet das eine zusätzliche Geldeinnahme. Dafür haben internationale Geldgeber und das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte Programm zur nachhaltigen Wirtschats- und Beschäftigungsförderung (Sustainable Economic Development und Employment Promotion, SEDEP) tatkräftige Hilfe geleistet. SEDEP entwickelte den Geschäftsplan der Molkerei und bildete die Techniker aus. Die Landwirte werden in Milchliefergruppen organisiert. Sie nehmen an Schulungen teil, um die Milchleistung zu steigern und die Gesundheit der Kühe zu verbessern. Neue Milchkannen aus Aluminium ersetzen den üblichen Wiedergebrauch von schlecht zu reinigenden Plastikkanistern für Pflanzenöl. Milchsammler, die mit Mopeds frühmorgens in die Dörfer fahren, erhalten Trainings in Milchhygiene und Buchhaltung. Auch markseitig unterstützten die Beraterinnen und Berater von SEDEP die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der jungen Molkerei. Neue Produkte wurden entwickelt und innovative Vertriebsideen umgesetzt, ein Ladengeschäft in Balkhs Provinzhauptstadt Mazar-e Sharif sowie mobile Fahrrad-Verkaufsstände. So entstanden bei Pakiza 20 neue Arbeitsplätze.

Pakiza hat Arbeitsplätze für qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen und eine Zukunftsperspektive für engagierte Menschen mit guter Ausbildung. So auch für Ahmad und Hafizullah. Beide standen vor der Arbeitslosigkeit, nachdem sie ihre Ausbildung beendet hatten. Ahmad blickt zurück: „Ich bin auf die landwirtschaftliche Hochschule gegangen und habe dort meinen Abschluss gemacht. Nach unzähligen Bewerbungen und Absagen war ich entschlossen, Afghanistan zu verlassen und nach Deutschland zu gehen.“ Bei Pakiza wurde Ahmad zunächst mit der Lagerbestandsführung betraut. Inzwischen leitet er die Produktion.

Ähnlich erging es Hafizullah, nachdem er am Öl und Gas Institut der Universität Balkh studiert hatte. Heute leitet er das Ladengeschäft der Molkerei im Stadtzentrum von Mazar-e Sharif. Er erläutert: „Vielen Menschen in Afghanistan geht es wie mir in der Vergangenheit. Sie haben keine Arbeit, kein Einkommen. Dann kommt ganz schnell das Gefühl von Hoffungslosigkeit auf. Jetzt bin ich total glücklich, dass Pakiza expandiert und nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Menschen Einkommen verschafft. Das motiviert und wir haben jetzt die Möglichkeit, unser Leben zu gestalten und müssen nicht mehr darüber nachdenken, in einem anderen Land unser Glück zu versuchen.“

Jetzt bin ich total glücklich, dass Pakiza expandiert und nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Menschen Einkommen verschafft
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