Stadtentwicklung

Stadtentwicklung und kommunale Infrastruktur

Afghanistan erlebt eine schnell voranschreitende Urbanisierung, die unter anderem durch das hohe Bevölkerungswachstum sowie den Zuzug von Binnenvertriebenen und Rückkehrenden aus Nachbarstaaten entsteht. Dies gilt insbesondere für die Hauptstadt Kabul, die weltweit eine der höchsten Wachstumsraten vorweist. Infolge unzureichender administrativer Kapazitäten der Städte ist die Versorgung mit öffentlichen Dienstleistungen und Basisinfrastruktur häufig mangelhaft – trotz erheblicher Fortschritte. Zusätzlich verläuft die Stadtplanung nur selten effizient.

Daher identifiziert das Positionspapier „Afghanische Verantwortung stärken“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Stadtentwicklung und kommunale Infrastruktur als einen Schwerpunkt der deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan. Zurzeit beinhaltet dies zwei Programme: Verbesserung der Städtischen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie der ländlichen und städtischen Energieversorgung. Ein wichtiger Aspekt ist die Stärkung institutioneller Rahmenbedingungen im Wasser- wie Energiesektor. Auch der Aufbau technischer und organisatorischer Kompetenzen hat in beiden Programmen einen hohen Stellenwert. Ziel ist es, Betrieb und Wartung getätigter Investitionen und damit deren Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Für die Zukunft sind weitere Maßnahmen geplant, die sowohl die Verbesserung kommunaler Dienstleistungen und der Basisinfrastruktur als auch die Stärkung städtischer Regierungsführung sowie kommunaler Planungskapazitäten unterstützen. So soll zu einer nachhaltigen Entwicklung beigetragen werden – in den Städten und auf dem Land.

Wasser zum Leben

Wasser ist ein kostbares Gut in Afghanistan und für die landwirtschaftliche Produktion sowie die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung essentiell. Dennoch hat rund ein Viertel der städtischen und ein Großteil der ländlichen Bevölkerung in Afghanistan noch immer keinen Zugang zu einer verbesserten Wasserversorgung. Insbesondere Frauen und Kinder müssen oft weite Strecken auf sich nehmen, um Trinkwasser für sich und ihre Familien zu besorgen. Gleichzeitig ist Afghanistan stark vom Klimawandel betroffen. Folglich steigt der Nutzungsdruck auf die abnehmenden Wasservorräte – auch durch starkes Bevölkerungswachstum, unsachgemäßen Gebrauch und extensive Landwirtschaft. Unter diesen Voraussetzungen ist der Schutz der vorhandenen Wasserressourcen maßgeblich für die nachhaltige Versorgung der afghanischen Bevölkerung mit hygienisch unbedenklichem Trinkwasser. Hierzu gehört auch die effiziente Verwaltung vorhandener Wasserressourcen für landwirtschaftliche und industrielle Zwecke.

Das Programm zur Verbesserung der Wasserversorgung (WSIP) setzt sich im Rahmen der technischen Zusammenarbeit dafür ein, die institutionellen Rahmenbedingungen ausgewählter Schlüsselministerien sowie die technische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Wasserversorger zu stärken. So werden afghanische Partner unter anderem dabei gefördert, die Ausbildung von Montage- und Wartungspersonal fachlich zu verbessern. Darüber hinaus wird die afghanische Regierung dabei unterstützt, ein effizientes System zum Management der Flussgebiete und Wasserressourcen aufzubauen. Komplementär zielt die finanzielle Zusammenarbeit auf die Verbesserung der Wasserversorgungsysteme in Kabul und anderen regionalen Zentren ab und führt Pilotmaßnahmen zur Abwasserentsorgung durch. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung die Entwicklung eines Generalplans für die dezentrale Abwasserentsorgung in der Hauptstadt Kabul.

Energie – Schlüssel für Entwicklung

Eine zuverlässige Stromversorgung ist die Basis für wirtschaftliches Wachstum, adäquate medizinische Versorgung, Bildung, kurzum: die zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung. Diese ist in Afghanistan aber oft nicht gegeben – vor allem auf dem Land. Hohe Preise, Stromausfälle, umweltschädliche Energiegewinnung und eine schlecht ausgebaute Infrastruktur verhindern eine nachhaltige Stromversorgung. Betriebe können unter diesen Umständen nur unzureichend produzieren. Das für das Land so wichtige Wirtschaftswachstum kann daher nicht erzielt werden. Deshalb unterstützt die deutsche Bundesregierung Afghanistan seit 2003 beim Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung.

Zurzeit hat nur etwa ein Drittel der Bevölkerung - hauptsächlich in städtischen Gebieten - Zugang zu Strom aus dem Netz. Aufgrund fehlender Kapazitäten und einer rasant steigenden Nachfrage muss Afghanistan etwa 75 Prozent seines Energiebedarfs unter hohen politischen Unsicherheiten importieren und ist so von Nachbarstaaten abhängig. Um dies zu ändern, unterstützt die Bundesregierung Afghanistan dabei, sowohl nationale Stromerzeugungskapazitäten als auch das eigene Stromnetz weiter auszubauen. Dabei liegt der Fokus darauf, die Versorgung mit umwelt- und klimafreundlicher Energie im städtischen und ländlichen Raum zu fördern und damit die Lebensbedingungen sowie das wirtschaftliche Wachstumspotential nachhaltig zu verbessern. Die finanzielle Zusammenarbeit fördert daher die Erzeugung erneuerbarer Energie, den Netzausbau und die Errichtung von Hausanschlüssen. Ergänzend zielt die technische Zusammenarbeit im Programmteil Verbesserung der Energieversorgung auf die Stärkung der Kapazitäten öffentlicher Institutionen sowie des nationalen Energieversorgers Da Afghanistan Breshna Sherkat (DABS) ab. Zusätzlich sollen landesweit Standards und Regeln für die Erzeugung erneuerbarer Energie, die Einbindung des Privatsektors sowie Ausbildung und Training etabliert werden, um so den nachhaltigen Betrieb und die Wartung der Energieanlagen sicherzustellen und Investitionen zu fördern.

Nähere Informationen zu unserer Arbeit im Schwerpunkt „Stadtentwicklung und kommunale Infrastruktur“ finden Sie unter den Projektbeschreibungen und den „Geschichten“.

Unsere Arbeit im Schwerpunkt

Saubere Energie als Treibstoff für Entwicklung Eine geregelte Stromversorgung ist für die meisten Afghaninnen und Afghanen bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Obwohl die afghanische Regierung einen neuen Masterplan für den Stromsektor und eine nationale Strategie für erneuerbare Energien umsetzt, ist nach wie vor nur etwa ein Viertel der Bevölkerung an das Stromnetz angeschlossen. mehr
Stromanschlüsse für Nordafghanistan 70 Prozent der Bevölkerung Afghanistans müssen ohne öffentliche Stromversorgung auskommen. Im ganzen Land sind nur 1,3 Millionen Haushalte an das Stromnetz angeschlossen, die meisten davon in den Städten. In den ländlichen Regionen haben weniger als zehn Prozent der Bevölkerung Zugang zum Stromnetz – dabei leben drei Viertel der Afghaninnen und Afghanen auf dem Land. mehr
Strom für Entwicklung An zuverlässige Energieversorgung ist für die meisten Haushalte und Betriebe in Afghanistan nicht zu denken. Nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung sind an das Stromnetz angeschlossen, das ist weltweit einer der niedrigsten Werte. Besonders schlecht ist die Lage im Norden Afghanistans, wo nur wenige Städte und Dörfer Anschluss ans Stromnetz haben. mehr
Bessere Wasserversorgung für Kabul In Afghanistan sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang nur rund ein Drittel der städtischen und fünf Prozent der ländlichen Bevölkerung an eine geregelte Trinkwasserversorgung angeschlossen. Das städtische Wasserwerk in Kabul verwaltet rund 60.800 Haushaltsanschlüsse. Die vorhandene Infrastruktur ist zudem mangelhaft: Wasserleitungen, Pumpstationen und Wasserreservoirs sind, sofern vorhanden, oft marode, durch undichte Stellen gehen etwa 30 Prozent des Wassers verloren. mehr
Trinkwasser für Nordafghanistan Sauberes Trinkwasser ist für die Menschen in Afghanistan ein knappes Gut. Die Versorgung mit sauberem Wasser hat sich verbessert, aber der afghanischen Bevölkerung steht oft nur verschmutztes Trinkwasser zur Verfügung. Cholera, Typhus oder Durchfallerkrankungen sind häufig die Folge. mehr
Wasser und Abwasser nachhaltig managen Wasser ist in vielen afghanischen Städten sowie auf dem Land ein knappes Gut. Zwar hat Afghanistan seine Wasserversorgung in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut, doch ein Großteil der städtischen Bevölkerung hat noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die ländliche Bevölkerung bezieht ihr Wasser aus Brunnen, fließenden Gewässern oder muss es von Wassertankwagen kaufen. Die knappen Wasserressourcen werden zunehmend übernutzt und verschmutzt. mehr

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