Bauen für politische Stabilität

Seit dem Ende des Bürgerkriegs in Afghanistan konnten bedeutende Fortschritte im zivilen Wiederaufbau in Nordafghanistan erzielt werden. Bei der Grundversorgung konnten dringend benötigte Angebote in den Bereichen Bildung, Zugang zu Wasser und Gesundheitsversorgung geschaffen werden. Die staatlichen Institutionen sind jedoch nach wie vor kaum in der Lage, der Bevölkerung Basisdienstleistungen und eine öffentliche Fürsorge anzubieten.

Situation

In vielen staatlichen Sektoren fehlt es weiterhin an grundlegender Infrastruktur wie Schulen, Gerichtsgebäuden, Parks oder Spielplätzen. Die infrastrukturellen Mängel engen die Handlungsfähigkeit der Regierung drastisch ein. Viele Menschen haben nicht die Möglichkeit, an bildungsbezogenen, rechtsstaatlichen und sozialen Dienstleistungsangeboten teilzuhaben. Das gefährdet die Legitimität der Regierung und die politische Stabilität des Landes.

Ziel

Die öffentliche Infrastruktur in Nordafghanistan wird durch den Neubau und die Sanierung dringend benötigter Gebäude und Verkehrswege verbessert. Der öffentliche Sektor wird dadurch in die Lage versetzt, der Bevölkerung staatliche Basisdienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Durch die Stärkung legitimer staatlicher Strukturen wird die politische Stabilität gefördert. Es werden möglichst rasch sichtbare Verbesserungen angestrebt.

Maßnahmen & Wirkung

Das „Infrastrukturprogramm zur Stabilisierung des Öffentlichen Sektors in Nordafghanistan“ fördert seit 2010 im Auftrag des Auswärtigen Amts infrastrukturelle Bauprojekte in Nordafghanistan. Das Programm schafft dringend notwendige technische Infrastruktur in ausgewählten öffentlichen Sektoren. Dadurch werden eine verantwortungsvolle Regierung und Verwaltung ermöglicht und die Stabilisierung des Landes gefördert.

Verbesserte Lebensbedingungen

Bisher wurden 24 Einzelmaßnahmen und mehreren Kleinmaßnahmen umgesetzt. Schulen wurden renoviert und gebaut, Gerichtsgebäude, Straßen, Sportfelder sowie Gesundheitszentren errichtet. Auch ein Feld für das kulturell bedeutsame Reiterspiel Buzkashi wurde geschaffen. Dadurch konnten die Lebensbedingungen der Bevölkerung auch in den entlegenen ländlichen Gebieten Nordafghanistans verbessert werden. Insgesamt haben von den Baumaßnahmen rund sechs Millionen Menschen in den Provinzen Samangan, Balkh, Kunduz, Jawzjan, Baghlan, Takhar und Badakhshan profitiert.

Förderung von Frauen und Mädchen

Frauen und Mädchen werden mit einzelnen Baumaßnahmen besonders gefördert. Ein Beispiel ist die Erweiterung der Mädchen- Oberschule in Hairatan in der Provinz Balkh. Der bestehende Schulkomplex wurde um ein eingeschossiges Gebäude mit acht Klassenräumen sowie einen Kindergarten, Nebenräume und eine Umfassungsmauer erweitert. Es entstanden zudem Sportplätze und ein Spielplatz wurde erneuert. Die Schule bietet nun rund 1.600 Schülerinnen einen geschützten Raum zum Lernen. Durch die Schulbildung bekommen die Mädchen die Chance, ihre Lebensperspektiven selbst zu wählen.

Qualitätssicherung

Alle Bauprojekte werden lokal ausgeschrieben und an afghanische Firmen vergeben. Um etwaige fachliche Defizite auszugleichen, stehen internationale Ingenieure und Architekten für eine begleitende Bauleitung und eine baufachliche Qualitätssicherung bereit. Während des Bauprozesses werden die afghanischen Fachkräfte auf den Baustellen qualifiziert.

Akzeptanz bei der Bevölkerung

Eine enge Abstimmung mit lokalen Partnerstrukturen sorgt dafür, dass die Infrastrukturmaßnahmen eng am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet sind und dem Wohl der Bevölkerung dienen. Die Baumaßnahmen werden in den Provinzentwicklungsräten (Provincial Developmental Councils, PDC) beschlossen oder unter Beteiligung der örtlichen Regierungsstruktur bewertet. Das garantiert eine nachhaltige Akzeptanz der Projekte und eine gesicherte Eigenverwaltung in der Zukunft.

Übersicht

Programm:
Infrastrukturprogramm zur Stabilisierung des Öffentlichen Sektors in Nordafghanistan
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt
Partner:
Provinz- und Distriktverwaltungen in Nordafghanistan
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Badakhshan, Baghlan, Balkh, Jawzjan, Kunduz, Samangan, Takhar
Programmziel:
Die öffentliche Infrastruktur in Nordafghanistan wird verbessert und der öffentliche Sektor damit stabilisiert.
Gesamtlaufzeit:
Mai 2010 – Dezember 2019