Bessere berufliche Bildung für alle

Jugendliche in Afghanistan haben Schwierigkeiten, reguläre Arbeit zu finden. Von den insgesamt etwa 3,2 Millionen Jugendlichen im berufsbildungsfähigen Alter absolvieren nur gut zwei Prozent eine schulische Berufsausbildung. Auch wenn die Ausbildung kostenlos ist, können sich viele Familien den Besuch einer Berufsschule nicht leisten. 20 Prozent der jungen Menschen durchlaufen eine traditionelle betriebliche Ausbildung in kleinen Unternehmen.

Situation

Etwa die Hälfte der Jugendlichen in Afghanistan hat nie eine Schule besucht und macht auch keine informelle, traditionelle Lehre. Die meisten Afghanen ohne Ausbildung jobben als Tagelöhner oder Straßenhändler. Doch die informelle Arbeit ist unsicher und im Vergleich zur qualifizierten Arbeit schlecht bezahlt. Besonders benachteiligt sind Frauen: 70 Prozent der Mädchen besuchen weder eine allgemeinbildende Schule noch eine Berufsschule.

Defizite gibt es auch in der Verwaltung und im Management der Berufsbildung. Es fehlen Berufsschulen und gut ausgebildete Lehrkräfte, die Ausstattung der Schulen ist völlig unzureichend. Zudem müssen Konzepte entwickelt und erprobt werden, um Frauen und Jugendliche ohne Schulbildung in das Berufsbildungssystem zu integrieren.

Ziel

Die deutsch-afghanische Entwicklungszusammenarbeit verbessert die Beschäftigungschancen junger Menschen in Afghanistan. Die Verbesserungen erreichen sowohl angehende Fachkräfte als auch Menschen ohne Bildung. Frauen werden besonders unterstützt. Es entstehen neue, gut ausgestattete Berufsschulen, Lehrkräfte und Schulverwaltungen sind besser qualifiziert. Traditionelle Betriebe ermöglichen die duale Ausbildung und neue Ausbildungsberufe sowie Bildungsangebote für Analphabeten sind etabliert.

Maßnahmen & Wirkung

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützen seit 2010 die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die KfW Entwicklungsbank die afghanische Regierung dabei, ein leistungsfähiges formales Berufsschulsystem aufzubauen und die Arbeitsmarktfähigkeit junger Menschen zu verbessern.

Neubau und Ausstattung von Berufsschulen

Um mehr jungen Menschen den Besuch einer Berufsschule zu ermöglichen, entstanden in den nördlichen Provinzen Balkh, Kunduz, Takhar und auch in Kabul vier neue Schulen und zwei Lehrerausbildungs-Akademien. Derzeit besuchen rund 4.000 Schülerinnen und Schüler die neuen Schulen, an denen rund 300 Lehrer und Lehrerinnen unterrichten.

Die Schulen fokussieren sich auf die Fachbereiche Handwerk, Technik, IT, Wirtschaft und Landwirtschaft. Ein moderner Campus in Mazar-e Sharif, Provinz Balkh, umfasst drei Berufsschulen, eine Multifunktionshalle, einen Kindergarten, Wohnheime und Freizeitbereiche für rund 2.000 Schülerinnen und Schüler. Die Gebäude sind funktional, wartungsarm, von hoher Bauqualität, energieeffizient und umweltfreundlich. Eine Solaranlage versorgt den Berufsschulcampus mit Strom, Pflanzenkläranlagen reinigen das Abwasser. Mit dem Bau des Campus wurden ortsansässige Unternehmen beauftragt, so dass das Projekt auch für lokale Beschäftigung sorgte. Neubau, Erweiterung oder Sanierung sowie die Ausstattung weiterer Schulen sind in Vorbereitung. Überdies haben im Rahmen des Programms bisher 50 Berufsschulen Klassenzimmer- und Werkstattausstattungen erhalten.

Aus- und Fortbildung für Lehrkräfte

Rund 85 Prozent der Berufsbildungslehrkräfte sind nicht für den von ihnen unterrichteten Ausbildungsberuf qualifiziert: Sie haben keine praktischen Erfahrungen und es fehlen ihnen pädagogische und didaktische Fähigkeiten. Ein neues Verfahren zur Einstellung von Lehrkräften ermöglicht es Praktikern, an Berufsschulen zu unterrichten. Ein modernes Ausbildungskonzept bereitet Lehrkräfte besser pädagogisch und didaktisch auf den Lehralltag vor. Dazu durchliefen ausgewählte Lehrkräfte eine Fortbildung zu Mastertrainern und -trainerinnen. Seit 2012 wurden insgesamt fast 15.200 Berufsschullehrkräfte geschult, davon waren mehr als 22 Prozent Frauen.

Darüber hinaus wurden Schulleitungen und das Verwaltungspersonal in mehr als 100 Workshops mit über 2.400 Teilnehmern und Teilnehmerinnen fortgebildet. Ein wichtiger Aspekt der Verbesserungsmaßnahmen ist der direkte Austausch der Bildungsverantwortlichen. Deshalb kommen Provinzschulleiter und leitende Kräfte des Berufsbildungssystems regelmäßig in Konferenzen zusammen, um über Budgets, Lehrstellen und Aufsichtsverfahren zu diskutieren.

Modernisierung der traditionellen Lehrlingsausbildung

Die Lehrlingsausbildung in traditionellen Handwerks- und Handelsunternehmen erhält bislang wenig staatliche oder gesellschaftliche Anerkennung. Inzwischen ist es diesen Auszubildenden aber möglich, neben ihrer Arbeit bis zu drei Tage pro Woche eine Berufsschule zu besuchen. Hier eignen sie sich Hintergrundwissen für ihre Berufe an und lernen fortgeschrittene Technologien kennen. Derzeit besuchen rund 2.000 Auszubildende 18 ausbildungsbegleitende Schulen.

Fortbildungen für Analphabeten und Frauen

Fast die Hälfte der Jugendlichen im Berufsbildungsalter sind Analphabeten. Sie können in naher Zukunft gesprochene Tutorials sowie Audio- und Video-Lernmaterialien nutzen, um ihre beruflichen Kompetenzen und die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern.

Mit einem besonderen Angebot will das Programm die Frauen in Afghanistan erreichen. Die meisten Afghaninnen sind Analphabetinnen und arbeiten im Haushalt. Diese Frauen erhalten durch Audio-Video-Tutorials die Möglichkeit, ihr hauswirtschaftliches Wissen zu erweitern. Zusätzlich werden Mädchen und Frauen an Berufsschulen zu Themen wie Verwaltung, IT sowie Veterinärwesen geschult.

Ausbildung von hoch qualifizierten Fachkräften

Das Berufsbildungsprogramm bereitet Ausbildungsgänge für dringend benötigte Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Kräfte auf Techniker- oder Meisterniveau vor. Diese Bildungsangebote werden dazu beitragen, dass Jugendliche sich persönlich weiterentwickeln und zu einer nachhaltigen technischen Entwicklung des Landes beitragen können.

Neue Ausbildungsberufe

Sieben neue Ausbildungsberufe für die formale Berufsausbildung und sechs weitere für die Lehrlingsausbildung wurden entwickelt. Es gibt bereits 63 Berufsschulen, an denen junge Menschen diese Ausbildungen absolvieren können.

Praxiserfahrung

Praktika in rund 750 afghanischen Betrieben geben Berufsschülern und -schülerinnen die Chance, sich mit der Berufspraxis vertraut zu machen. Bisher absolvierten fast 43.500 junge Leute vierwöchige Praktika, davon waren gut 23 Prozent Frauen.

Übersicht

Programm:
Förderung der beruflichen Bildung (TVET)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Behörde für berufliche Bildung (TVET Authority)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, KfW Entwicklungsbank
Provinzen:
Landesweit (31 von 34 Provinzen)
Programmziel:
Aufbau eines leistungsfähigen Berufsschulsystems
Gesamtlaufzeit:
TVET GIZ: Mai 2009 – Juni 2020; TVET KfW: August 2010 – Dezember 2023