Bessere Bildung für die Zukunft des Landes

Eine gute Bildung ist für Kinder im Norden Afghanistans Mangelware. Afghanistan besuchen laut UNICEF 3,7 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter keine Schule, 60 Prozent von ihnen sind Mädchen. Krieg und bewaffnete Konflikte haben tiefe Spuren hinterlassen. Bis heute findet der Unterricht vielerorts in Zelten und baufälligen Gebäuden statt.

Situation

Es fehlt an Unterrichtsmaterialien, Schulmöbeln, Büchern – und an Lehrkräften. Die Klassenzimmer sind überfüllt. Auf 38 Kinder kommt im Schnitt eine Lehrkraft, die zudem oft schlecht ausgebildet ist.

Eine spezialisierte Ausbildung für Grundschullehrkräfte existiert in Afghanistan nicht. Auch vielen Lehrerinnen und Lehrern an Sekundarschulen fehlt das Handwerkszeug, um einen verständlichen und interessanten Unterricht zu gestalten.

Der Anteil der Frauen im Bildungssystem ist in den letzten Jahren gestiegen. Im Norden des Landes sind heute von zehn Lehrkräften vier Frauen.

Ziel

Die Voraussetzungen für eine bessere Unterrichtsqualität in der Grund- und Sekundarbildung werden geschaffen. Die Vermittlung moderner Lehrmethoden ermöglicht es Lehrerinnen und Lehrern, ihren Unterricht attraktiver zu gestalten. Schülerinnen und Schüler werden zur aktiven Teilnahme am Unterricht motiviert und ihr Interesse an Bildung wird gesteigert.

Maßnahmen & Wirkung

Bildung ist eine wichtige Grundlage für die Entwicklung Afghanistans. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt daher im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) das afghanische Bildungsministerium darin, Lehrkräfte für Grund- und Sekundarschulen auszubilden.

Seit 2007 haben mehr als 25.000 Angestellte im afghanischen Bildungssektor an Weiterbildungen teilgenommen. Lehrerausbildungszentren (Teacher Training Colleges, TTCs) bieten für angehende Lehrkräfte Praktika an Schulen an. Die Qualität der Bildung in Grund- und Sekundarschulen hat sich dadurch deutlich verbessert. Wichtige Aspekte wie Gleichstellung, Menschenrechte und Friedensbildung sind jetzt Teil der Lehrerausbildung. Aktuell konzentriert sich die Arbeit vor allem auf vier Bereiche:


Verbesserte Ausbildung von Grundschullehrkräften

Zusammen mit dem Direktorat für Lehrerbildung (TED) im afghanischen Bildungsministerium entsteht zurzeit ein modernes und schülerzentriertes Curriculum für die Ausbildung von Grundschullehrkräften. Damit wird für Grundschulkinder ein altersgerechter Unterricht möglich. Ein Fokus liegt auf früher mathematischer Bildung sowie der Lese- und Schreibfähigkeit. Weitere Lehrinhalte sind Sport, Lebenskunde, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Kunst.

An den TTCs in den Provinzen Balkh, Samangan, Badakhshan, Herat sowie in Bamyan, Nangarhar und Kandahar wurden bisher insgesamt 58 Dozenten und Dozentinnen ausgebildet. Das Programm soll in 48 TTCs in Afghanistan eingeführt werden.


Vermittlung neuer Lehrmethoden an Sekundarschulen

Die TTCs besitzen für die Ausbildung von Sekundarstufen- Lehrkräften in einigen Schulfächern kein methodisches Lehrhandbuch. In Zusammenarbeit mit dem TED entsteht daher ein Handbuch zu schülerzentrierten Lehrmethoden. Diese Methoden sollen Kinder motivieren, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen, reflektierte Lernstrategien zu entwickeln und kritisches Denken zu lernen. Zudem entstehen Lehrer-Handbücher für Lehrmethoden in spezifischen Fächern wie Mathematik, Naturund Sozialwissenschaften. Anfang 2019 wurden rund 170 TTCDozenten und -Dozentinnen aus sieben Provinzen zu modernen Lehrmethoden fortgebildet.


Förderung eines nachhaltigen Wandels

Das Ziel ist, ein System zu schaffen, das einen nachhaltigen Wandel im Bildungssektor ermöglicht. Dazu hat das Vorhaben ein strategisches Implementierungsgremium (Joint Strategic Implementation Committee) unter der Leitung des TED gegründet. Entscheidungsträger aus der Politik und dem Bildungsektor entscheiden darin gemeinsam über die zu initiierenden Maßnahmen und deren Umsetzung.

Etwa 150 Schulleiter und Schulleiterinnen, Führungskräfte von Bildungsbehörden sowie Leiterinnen und Leiter von TTCs haben zudem Schulungen zu Lehrmethoden erhalten, um die Ausbilder und Ausbilderinnen an den TTCs sowie Lehrkräfte an Schulen in ihrer Arbeit zu unterstützen.


Stärkung von Menschenrechten und Gleichberechtigung

Menschenrechts- und Genderfragen werden in der Lehrerausbildung und im Schulunterricht oft nicht thematisiert. Um die Situation zu verbessern, wurde ein Handbuch zu Menschenrechts- und Genderfragen entwickelt. Ein Team von sechs Multiplikatoren bildet Dozenten und Dozentinnen der TTCs zu Menschenrechten und Genderthemen aus. 2018 wurden 80 Dozenten und Dozentinnen aus 34 TTCs ausgebildet. Bis Mitte 2019 konnten bereits 96 Dozenten und Dozentinnen aus allen 48 TTCs sowie 38 Experten und Expertinnen des TED geschult werden. Bereits 25 TTCs unterrichten das Fach „Menschenrechte und Genderfragen“ in der Lehrerausbildung.

Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist an den TTCs oft nur mangelhaft. Neu geschaffene Gleichberechtigungsstellen sollen die Situation der Frauen innerhalb der TTCs selbst stärken.

Übersicht

Programm:
Förderung der Grund- und Sekundarbildung in Afghanistan (BEPA)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA
Partner:
Afghanisches Bildungsministerium (MoE), Direktorat für Lehrerbildung (TED)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Badakhshan, Balkh, Herat, Samangan
Programmziel:
Voraussetzungen für eine verbesserte Unterrichtsqualität in der Grund- und Sekundarbildung in den Provinzen Balkh, Samangan, Badakhshan und Herat schaffen
Gesamtlaufzeit:
Juli 2005 – Februar 2021