Ein Park für den Frieden im Herzen Kabuls

Krieg und Bürgerkrieg haben große Teile der öffentlichen Infrastruktur und des Gebäudebestands von Kabul zerstört. Auch der zwölf Hektar große Chihilsitoon-Park im Herzen der Stadt und das dazugehörige Qasr-e Chihilsitoon, ein Palast aus dem 19. Jahrhundert, wurden unbenutzbar.

Situation

Lediglich Ruinen blieben. Die Grünflächen verwahrlosten mit der Zeit. Für die rund fünf Millionen Menschen der stetig wachsenden Metropole Kabul gibt es nur wenige Orte, die Raum für Erholung und gemeinsame Freizeitaktivitäten bieten. Besonders schlimm war die Situation in den ehemals informellen Siedlungen, die die Stadtverwaltung zwar hinnahm, jedoch nicht förderte. Hier fehlte sogar die grundlegendste Infrastruktur. Eine dieser Siedlungen, Char Deh, grenzt an den Chihilsitoon-Park.

Ziel

Die Gartenanlagen, Sportflächen und Räume für Kulturveranstaltungen im wiederaufgebauten Chihilsitoon-Park bieten der Stadtbevölkerung neue Erholungsmöglichkeiten und verbesserte Lebensbedingungen. Die Grundlage für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist gelegt. Die Erholungsmöglichkeiten des Parks fördern ein friedliches Miteinander und schaffen ein sicheres und lebenswertes Umfeld im Zentrum von Kabul. Die neu geschaffenen Grünflächen wirken sich zudem positiv auf die Luftqualität und das Klima in der dicht bebauten Millionenstadt aus. In den Räumlichkeiten des Jangalak Vocational Training Centre durchgeführte Trainings verbessern die beruflichen Perspektiven der Anwohnerinnen und Anwohner. Es werden möglichst rasch sichtbare Verbesserungen angestrebt.

Maßnahmen & Wirkung

Gemeinsam mit dem Aga Khan Trust for Culture wurde der zerstörte Park im Auftrag des Auswärtigen Amts wiederaufgebaut und neu gestaltet. Im Zuge dessen wurden die Gebäude darin, wie der Palast Qasr-e Chihilsitoon und das ehemalige Gästehaus, restauriert. Die Bevölkerung hat dadurch eine neue Möglichkeit der Naherholung mit vielen Freizeitangeboten bekommen. Kleine Restaurants, Kioske, Sportflächen und öffentliche Toilettenanlagen sind im Park entstanden, Ausstellungshallen, eine Konferenz- und Begegnungsstätte sowie ein Amphitheater und ein Auditorium.

Die lokale Bevölkerung sowie die öffentliche Verwaltung wurden in die Planung und Realisierung des Projekts einbezogen. In einer Umfrage wurden die Interessen der Anwohner vorab ermittelt.

Inzwischen ist das Vorhaben abgeschlossen und viele Bewohnerinnen und Bewohner von Kabul nutzen den Chihilsitoon-Park als attraktiven Aufenthaltsort – mehr als 25.000 Einwohner besuchen ihn jeden Monat. Insbesondere profitieren die rund 350.000 Bewohnerinnen und Bewohner des angrenzenden Distrikts Char Deh. Vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche haben jetzt die Möglichkeit, in der Nähe ihrer Wohnungen spazieren zu gehen und im Freien zu spielen. So ist ein Ort der Erholung entstanden, an dem Menschen friedlich zusammenkommen.

Bedarfsanalyse für die informelle Siedlung

Ergänzend zur Sanierung des Parkgeländes entstand ein Quartierskonzept für den angrenzenden Distrikt Char Deh. Wie bei anderen informellen Siedlungen gibt es auch für diesen Distrikt keinen Bebauungsplan. Daher wurde in einem ersten Schritt eine sozioökonomische Studie durchgeführt und die vorhandene Infrastruktur, darunter Straßen, Moscheen und Schulen, in einem Geoinformationssystem verzeichnet und dieses als Satellitenbild zur Verfügung gestellt. Die Bestandsaufnahme diente als Grundlage, um gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung zu ermitteln, welche Basisinfrastruktur am dringendsten vermisst wird, diese zu planen und umzusetzen. Unter anderem wurde die Hauptstraße von Char Deh erneuert, um eine bessere Anbindung des Distrikts zu ermöglichen, ein Abwassersystem geschaffen, eine Moschee renoviert und Straßenbeleuchtung installiert.

Ausbildung und berufliche Perspektiven

Das Projekt verbessert die Beschäftigungsmöglichkeiten der Anwohner von Char Deh. Insbesondere fördert es die berufliche Tätigkeit von Frauen. Seit 2015 wurden mehr als 660 Frauen und 460 Männer in sechsmonatigen Trainings ausgebildet. Die Trainings fanden in den Bereichen Schneiderei, Stickerei, Teppichknüpfen, Schreinerei sowie Garten- und Landschaftsbau statt. Im Anschluss daran erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Grundausstattung, etwa eine Nähmaschine, um den Sprung in die Selbstständigkeit zu schaffen.

Übersicht

Programm:
Revitalisierung des Chihilsitoon-Parks in Kabul
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Aga Khan Trust for Culture (AKTC)
Durchführungs-organisationen:
KfW Entwicklungsbank, Aga Khan Trust for Culture (AKTC)
Provinzen:
Kabul
Programmziel:
Garten, Sportflächen und Kulturangebote im wiederaufgebauten Chihilsitoon-Park in Kabul verbessern die Erholungsmöglichkeiten der benachbarten Bevölkerung.
Gesamtlaufzeit:
Juni 2014 – Dezember 2019