Fachkräfte für Bergbau und Rohstoffe

Afghanistan ist reich an Rohstoffen. Doch bislang gelang es dem afghanischen Staat nicht, substanzielle Einnahmen aus den Bodenschätzen zu erzielen. Ein Grund dafür: Im Bergbau fehlen gut ausgebildete technische Fach- und Führungskräfte.

Situation

Die Bergbau- und Geologie-Studiengänge afghanischer Hoch- schulen sind zu wenig praxisorientiert und bereiten Absolventinnen und Absolventen nicht genug auf den Arbeitsmarkt vor. Während der jahrzehntelangen gewaltsamen Konflikte haben die afghanischen Universitäten ihre Fachlabore und ihre internationalen Kontakte verloren. Die veralteten Bibliotheksbestände sind auf dem Stand der 1970er Jahre. Zugang zu aktuellem Know-how fehlt nicht nur den Studierenden, sondern auch den Dozentinnen und Dozenten. Darüber hinaus sind die Lehrmethoden veraltet und dem Hochschulmanagement mangelt es an internationalen Erfahrungen und Kompetenzen. Auf dieser Basis können die afghanischen Hochschulen keine qualifizierten Rohstoff-Expertinnen und -Experten ausbilden. Hoch qualifizierte Fachkräfte werden aber für die Stabilisierung des Landes dringend benötigt.

Ziel

Afghanische Schlüsseluniversitäten, insbesondere die Polytechnische Universität Kabul (KPU), bieten moderne, marktgerechte Studiengänge an, vor allem in den Fachbereichen Geologie, Gewinnung von fossilen Energieträgern und Metallen sowie an der Universität Kabul in den Nebenfächern Bergbaurecht, -verwaltung und -wirtschaft. Bachelorstudiengänge und Nebenfächer mit Bergbaubezug sind neu konzipiert, auch die Ausstattung der KPU ist auf dem aktuellen Stand. Die Lehrkräfte der KPU und vereinzelt auch Dozentinnen und Dozenten anderer Hochschulen haben methodische und praktische Weiterbildungen im In- und Ausland absolviert. Sie können innovative, praxisnahe Lehrmethoden anwenden. Es findet wieder ein wissenschaftlicher Austausch mit Hochschulen, Bergbauunternehmen und Behörden in Afghanistan und im Ausland statt.

Die teilnehmenden Hochschulen, vorrangig die KPU, sind so in der Lage, qualifizierte, auf den Arbeitsmarkt vorbereitete Rohstoffexperten und -expertinnen auszubilden. Diese Fachkräfte tragen dazu bei, dass der afghanische Staat langfristig mehr Einnahmen aus dem Bergbau erzielen kann und damit mehr Mittel zur Verfügung hat, um Entwicklung und Stabilität des Landes zu fördern.

Maßnahmen & Wirkung

Das Programm verfolgt einen breiten Ansatz: Neu gestaltete Studiengänge, bessere Hochschulausstattung und Qualifikation der Lehrkräfte, Praktika sowie nationaler und internationaler Austausch tragen dazu bei, den Bergbau in Afghanistan zu stärken. Es werden möglichst rasch spürbare Verbesserungen angestrebt.

Modernisierung der Studiengänge

An der Polytechnischen Universität Kabul wurden fünf Bachelorstudienprogramme aus dem Bereich Bergbau modernisiert. Zusätzlich wurden an der Universität Kabul für Studienprogramme in Öffentlicher Verwaltung, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften Nebenfächer mit Bezug zum Bergbau entwickelt und in die Curricula integriert. So können die zwei großen Universitäten in Kabul den Studierenden ein breiteres Ausbildungsangebot im Bereich Rohstoffgewinnung machen. Unterstützung bei der Ausrichtung der Studiengänge nach internationalen Standards erhielten diese vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und von der Ruhr-Universität Bochum.

Mehr Praxisorientierung

Zentral ist die stärkere Praxisorientierung der Hochschulbildung im Bereich Rohstoffgewinnung. Deshalb erhielt die KPU ein neues Fakultätslabor und die Studierenden können an internationalen Exkursionen teilnehmen sowie im In- und Ausland Praktika absolvieren. Rund 180 Studierende nutzten diese Chance bereits. Sie erhielten einen unmittelbaren Einblick in den Arbeitsalltag von Wirtschaft und Verwaltung. Diese praktischen Erfahrungen verbessern die Berufschancen der Studierenden und erleichtern ihnen den Einstieg ins Arbeitsleben.

Angebote zur praktischen Weiterbildung wie Exkursionen und Laborschulungen richten sich aber auch an die Dozentinnen und Dozenten. Sie helfen den Lehrkräften dabei, ihre Lehre praxisnah zu gestalten. Darüber hinaus bietet das Programm den Dozentinnen und Dozenten die Möglichkeit zur methodischen Weiterbildung.

Internationale Vernetzung

Dem Programm ist es gelungen, die bisher eher isolierten afghanischen Bergbaufakultäten wieder in einen wissenschaftlichen Austausch auf nationaler und internationaler Ebene einzubinden. Aktuell soll insbesondere die regionale Vernetzung afghanischer Hochschulen weiter ausgebaut werden. Es besteht bereits eine enge Kooperation mit Hochschulen in Deutschland, im Iran und in China. Dadurch bekommen Lehrende und Studierende Zugang zu aktuellem Fachwissen und innovativen Lehrmethoden. Kontakte zu weiteren Ländern, etwa zu Indien, sind geplant. Das Programm fördert die Teilnahme an Fachkonferenzen und ermöglicht es afghanischen Hochschulkräften, ihre Forschungsarbeiten zum Beispiel im Iran und in Kasachstan zu präsentieren. Bisher haben bereits rund 360 afghanische Dozentinnen und Dozenten an Konferenzen, Symposien oder Studienreisen teilgenommen. So werden die afghanischen Fachkräfte wieder Teil der internationalen Wissenschafts-Community.

Übersicht

Programm:
Konsolidierung des Ausbaus einer berufsqualifiszierenden Hochschulausbildung für den afghanischen Bergbausektor (AMEA)
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Afghanisches Ministerium für höhere Bildung (MoHE)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Balkh, Kabul
Programmziel:
Stärkung des afghanischen Bergbausektors, damit der Staat langfristig mehr Einnahmen aus dem Bergbau erzielt und in die Stabilisierung des Landes investieren kann
Gesamtlaufzeit:
April 2014 – Mai 2020