Fachkräfte für den Aufbau Afghanistans

Beim Aufbau afghanischer Ministerien und Verwaltungsstrukturen wurden in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erzielt. So steuern afghanische Institutionen den Wiederaufbau und die Geberkoordination heute zunehmend selbst. Dennoch bleibt die Schaffung transparenter und effizienter Verwaltungsstrukturen eine der größten Herausforderungen für das Land.

Situation

Denn viele gut ausgebildete Fachkräfte haben ihre Heimat aufgrund von Krieg und politischer Unruhe verlassen. Durch diesen umfassenden „Braindrain“ fehlt Expertise in zentralen Bereichen. Zur Stabilisierung des Landes werden gut qualifizierte einheimische Fachkräfte jedoch dringend benötigt.

Ziel

Afghanistans Verwaltungen werden in die Lage versetzt, transparent und effizient zu arbeiten. Die Institutionen bieten der Bevölkerung wichtige staatliche Dienstleistungen, somit wird die Akzeptanz gegenüber dem Staat gestärkt. Die Ministerien und Ämter werden darin unterstützt, eigenständig Entwicklungsmaßnahmen anzustoßen und zu steuern sowie Maßnahmen von Gebern zu koordinieren. Damit wird ein Beitrag zur Stabilisierung Afghanistans geleistet. Es werden möglichst rasch spürbare Verbesserungen angestrebt.

Maßnahmen & Wirkung

Die Bundesregierung stärkt die Kompetenzen afghanischer Verwaltungen durch die Vermittlung von Fachkräften. Diese werden in einflussreichen Positionen eingesetzt. Durch ihre Expertise stärken sie die Verwaltungsstrukturen und damit die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes.

Rückkehrende und Integrierte Fachkräfte bauen Wissen auf

Das Programm setzt auf zwei Arten von Fachkräften: Integrierte und Rückkehrende.

Rückkehrende Fachkräfte sind Afghaninnen und Afghanen, die in Deutschland oder Europa studiert oder fachliche Arbeitserfahrung gesammelt haben und die in ihr Heimatland zurückgehen wollen. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH vermittelt diese gut ausgebildeten Spezialistinnen und Spezialisten an Ministerien, Behörden und Universitäten, wo sie entwicklungspolitische Schlüsselpositionen bekleiden. Dieser „Return of Talents“-Ansatz, also die Förderung der Rückkehr von Talenten, sorgt dafür, dass Afghanistan einen Teil der durch Abwanderung verlorenen Expertise zurückerhält. Zusätzlich bewirken die zurückkehrenden afghanischen Expertinnen und Experten, dass Wissen in den Ämtern und Universitäten nachhaltig verankert wird, indem sie ihr Know-how an Kolleginnen und Kollegen weitergeben. Als „Brückenbauer“ fördern sie zudem den Dialog zwischen Afghanistan, Deutschland und internationalen Partnern.

Die GIZ bietet den Rückkehrenden Fachkräften eine umfangreiche Beratung, vielfältige Vernetzungsmöglichkeiten und zahlt ihnen für bis zu drei Jahre einen Zuschuss zum lokalen Gehalt.

Eine im Ausland ausgebildete und nach Afghanistan zurückgekehrte Fachkraft berät zum Beispiel den amtierenden Regierungschef Dr. Abdullah Abdullah zu den Themen Gleichstellung und Politik. Um die Rechte der Frauen in Afghanistan zu stärken, hat sie ein Exekutivkomitee aufgebaut, das Konzepte zur Frauenförderung entwickelt und Fälle von Gewalt gegen Frauen verfolgt und zur Anzeige bringt. Darüber hinaus hat sie eine Interessenvertretung zur Stärkung der Rolle der Frau im Friedensprozess gegründet. Diese Stelle bietet Frauen aus der afghanischen Zivilgesellschaft eine Diskussionsplattform.

Integrierte Fachkräfte sind hoch qualifizierte Expertinnen, Experten und Führungskräfte, die vom europäischen Arbeitsmarkt kommen und in Afghanistan eingesetzt werden. Die GIZ vermittelt sie in Kooperation mit dem Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) auf Nachfrage an afghanische Arbeitgeber. Die ausländischen Expertinnen und Experten arbeiten in einflussreichen Positionen an ausgewählten Institutionen und helfen dabei, die Verwaltungs- und Managementfähigkeiten zu verbessern. Sie werden von lokalen Partnern zu ortsüblichen Konditionen angestellt und bekommen von der GIZ einen Gehaltszuschuss.

Eine Integrierte Fachkraft leitet zum Beispiel das Diplomateninstitut im afghanischen Außenministerium. In dieser Funktion reformierte sie den Auswahlprozess für Diplomatenanwärter nach internationalen Standards und sorgte für Transparenz bei der Auswahl der Kandidaten und Kandidatinnen. Darüber hinaus schuf sie den Studiengang „Internationale Beziehungen und Politikwissenschaft“, der eine wichtige Grundlage für das Diplomatenstudium liefert. Rund 900 angehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes haben dadurch von verbesserten Leistungen und den neuen Bildungs- und Weiterbildungsangeboten des Instituts profitiert.

Eine Rückkehr mit Zukunft: Einsatz in Schlüsselpositionen

Für viele Rückkehrende Fachkräfte bietet das Programm einen Einstieg in eine berufliche Laufbahn bei staatlichen Arbeitgebern. Häufig bekleiden sie auch nach ihrem Einsatz noch zentrale Positionen, etwa in den Bereichen gute Regierungsführung, Sicherheit, Innen- und Außenpolitik, Wirtschaft, Transport, Bildung, höhere Bildung sowie Kultur und Medien. Einige Teilnehmende des Programms sind Bürgermeister bedeutender afghanischer Städte geworden, andere leiten Abteilungen in Behörden und an Universitäten oder vertreten als Botschafterinnen und Botschafter ihr Land in Auslandsvertretungen. So gibt das Vorhaben den afghanischen Expertinnen und Experten die Möglichkeit, einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau ihres Landes zu leisten.

Übersicht

Programm:
Unterstützung des Aufbaus der afghanischen Ministerien und Verwaltungssysteme auf nationaler und subnationaler Ebene
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Afghanische Ministerien und staatliche Institutionen
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Balkh, Herat, Kabul, Kandahar, Khost, Nangahar, Paktia, Samangan
Programmziel:
Aufbau leistungsfähiger und transparenter Verwaltungen zur Stabilisierung des Landes
Gesamtlaufzeit:
Januar 2010 – Juni 2020