Gesundheitsversorgung der afghanischen Bevölkerung verbessern

Trotz gestiegener Lebenserwartung ist die Müttersterblichkeit in Afghanistan immer noch hoch. Nach Angaben der Weltbank sterben von 100.000 Gebärenden 396 bei der Entbindung. Ebenso zählt die Kindersterblichkeit in Afghanistan zu den höchsten der Welt.

Situation

Von 1.000 Neugeborenen erlebt etwa jedes 14. seinen fünften Geburtstag nicht. Rund 600.000 Kinder unter fünf Jahren sind bedrohlich unterernährt, so das Kinderhilfswerk UNICEF. Insbesondere in den Gebieten außerhalb Kabuls ist die medizinische Versorgung unzureichend. Viele Gesundheitseinrichtungen sind veraltet und schlecht ausgestattet.

Ziel

Die Menschen im Norden Afghanistans werden medizinisch besser versorgt. Es gibt insbesondere Fortschritte bei der Betreuung von Schwangeren, Müttern und Kindern. Die Kapazitäten der beteiligten Krankenhäuser sind ausgebaut. Die Ausstattung und das Management der Kliniken sowie die Qualifikation des Personals sind verbessert. Telemedizin kommt zum Einsatz, um auch in entlegenen Regionen medizinische Expertise nutzen zu können. Der Auf- und Ausbau der medizinischen Grundversorgung verbessert die Lebensbedingungen der Menschen in Nordafghanistan. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für Stabilität im Land. Es werden möglichst rasch spürbare Verbesserungen angestrebt.

Maßnahmen & Wirkung

Im Auftrag des Auswärtigen Amts (AA) unterstützt die KfW Entwicklungsbank bereits seit 2006 den Wiederaufbau, die Renovierung oder den Neubau von Gesundheitseinrichtungen im Norden Afghanistans. Die Verbesserung der medizinischen Versorgung in der Region wird fortgesetzt – durch die Instandsetzung und Kapazitätserweiterung von Krankenhäusern, aber auch durch Telemedizin.

Ein Regionalkrankenhaus für Balkh und die benachbarten Nordprovinzen

Ein mit deutscher Hilfe wiederaufgebautes Regionalkrankenhaus nahm 2013 in Mazar-e Sharif seinen Betrieb auf, nachdem das Vorgängergebäude durch einen Brand zerstört worden war. Das Regionalkrankenhaus Balkh hat große Bedeutung für die Gesundheitsversorgung der Region: Es dient den rund 430.000 Einwohnerinnen und Einwohnern von Mazar-e Sharif als Zentral- krankenhaus und bis zu sechs Millionen Menschen aus dem Umland als Überweisungskrankenhaus. Als akademisches Lehrkrankenhaus mit angeschlossener Krankenpflege- und Hebammenschule spielt die Klinik darüber hinaus eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses und von Pflegepersonal.

Ausbau des Mutter-Kind-Zentrums in Mazar-e Sharif

In jüngster Zeit galt das Engagement dem Aufbau einer angemessenen Geburtsbetreuung und Kinderheilkunde im Regio- nalkrankenhaus Balkh. Das Mutter-Kind-Zentrum war zuvor hoffnungslos überbelegt. Für 15.000 Entbindungen jährlich standen nur 90 Betten zur Verfügung. Häufig mussten Betten sogar vierfach belegt werden. Seit Mai 2019 steht den Menschen in Mazar-e Sharif nun ein neues Mutter-Kind-Zentrum mit rund 360 Betten auf dem Gelände des Regionalkrankenhauses Balkh zur Verfügung. 180 Betten wurden für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie 180 Betten für Kinderheilkunde eingerichtet. Neben dem Neubau ist die Anschaffung medizinischer und nichtmedizinischer Ausstattung ein wichtiger Bestandteil der Maßnahmen.

Instandsetzung des Provinzkrankenhauses Faizabad

Das Provinzkrankenhaus in Faizabad ist das einzige Referenzkrankenhaus in der Provinz Badakhshan im äußersten Nordosten des Landes. Es ist für knapp eine Million Menschen das regionale Gesundheitszentrum. Die KfW Entwicklungsbank unterstützt die dringend erforderliche bauliche und technische Erweiterung des Krankenhauses. Ein Neubau für ein Mutter- Kind-Zentrum wurde errichtet sowie ein telemedizinisches Zentrum eingerichtet. Die Maßnahmen wurden in Zusammenarbeit mit dem Aga Khan Development Network (AKDN) umgesetzt, das seit 2009 im Auftrag der afghanischen Regierung das Krankenhaus betreibt. Die Instandsetzung des Krankenhauses hat für die Region eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung und ist ein Leuchtturmprojekt für das deutsche Engagement in Badakhshan.

Aufnahmekapazität verdoppelt

Das Krankenhaus erhielt ein neues Diagnostik- und Therapiezentrum, einen neuen Bettentrakt mit 76 zusätzlichen Betten und der erforderlichen medizinischen und nichtmedizinischen Ausstattung. Damit hat sich die Kapazität des Krankenhauses auf rund 140 Betten erhöht.

Hohe Patientenzufriedenheit

Datenerhebungen zur Krankenversorgung und monatliche Patientenbefragungen sind Teil der Verbesserungsmaßnahmen. Die Ergebnisse sind positiv: Zum Ende des ersten Halbjahres 2018 waren rund 95 Prozent der Patientinnen und Patienten zufrieden mit den Krankenhausdienstleistungen. Die Leistungen des Provinzkrankenhauses steigerten sich über den Projektzeitraum kontinuierlich und erreichten 2018 in nahezu allen Kategorien die vom afghanischen Gesundheitsministerium aufgestellten Jahresziele.

Telemedizin schließt Versorgungslücken

Im Auftrag des Auswärtigen Amts wurden in den vergangenen Jahren insgesamt zehn Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in den afghanischen Nordprovinzen Badakhshan, Balkh, Kundus und Takhar neu gebaut und ausgestattet. Trotz dieser deutlichen Verbesserung der Gesundheitsversorgung bleibt der Zugang zu medizinischen Leistungen für die Menschen außerhalb der Städte schwierig. Drei Viertel der Menschen in der Region – insbesondere Frauen – können kaum Gesundheitsdienstleistungen nutzen.

Telemedizin soll das ändern: Mit deutscher Unterstützung wird das telemedizinische Netzwerk in Nordafghanistan ausgebaut. Es trägt dazu bei, die Gesundheitsversorgung in den Provinzen Badakhshan, Balkh, Kundus und Takhar zu verbessern. Ein Schwerpunkt ist die Versorgung von Müttern und Kindern. Für das telemedizinische Netzwerk werden rund 40 Gesundheitszentren und vier Provinzkrankenhäuser als regionale Zentren auf- und ausgebaut. Diese erhalten notwendige technische Ausstattung und moderne Diagnostikgeräte. Das medizinische Personal wird geschult. Am Krankenhaus von Faizabad wird ein neues Mutter-Kind-Zentrum mit telemedizinischer Zentrale für die Provinz Badakhshan errichtet.

Übersicht

Programm:
Mutter-Kind-Zentrum Mazar-e Sharif; Rehabilitierung Provinzkrankenhaus Faizabad; Telemedizin in Nordafghanistan
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Afghanisches Gesundheitsministerium (MoPH)
Durchführungs-organisationen:
KfW Entwicklungsbank
Provinzen:
Badakhshan, Balkh, Kunduz, Takhar
Programmziel:
Bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung – insbesondere von Schwangeren, Müttern und Kindern – in den Nordprovinzen Afghanistans
Gesamtlaufzeit:
Mazar-e Sharif: Januar 2015 – November 2019; Faizabad: November 2009 – Juni 2018; Telemedizin: April 2020 – März 2023