Gesundheitsversorgung für überlastete Gemeinden

Seit 2016 sind mehr als 1,6 Millionen afghanische Staatsangehörige, die vor bewaffneten Konflikten und Gewalt nach Pakistan und in den Iran geflohen sind, in ihr Heimatland zurückgekehrt. Viele von ihnen kommen mittellos und können sich nicht wieder in ihrer alten Heimat ansiedeln. Allein in der Provinz Kabul suchten 2016 und 2017 rund 170.000 Personen Zuflucht, weil die Sicherheitslage hier vergleichsweise gut ist und sich bessere Einkommensmöglichkeiten bieten.

Situation

Die Kapazitäten zur Aufnahme von Neuankömmlingen reichen jedoch nicht aus. Der Zuzug von rückkehrenden Geflüchteten belastet in Kabul und anderen aufnehmenden Gemeinden die ohnehin mangelhafte Infrastruktur zusätzlich. Soziale Grundleistungen in Gesundheit und Bildung, Unterkünfte, Zugang zu Nahrung, Wasser und Sanitärversorgung sind rar. Auch der Druck auf den Arbeitsmarkt ist hoch. Das kann zu vermehrten Spannungen zwischen aufnehmenden Gemeinden und Zurückkehrenden führen.

Die Regierung kann diese Mängel alleine nicht beheben. Vor allem im Bereich der Basisgesundheitsdienstleistungen ist der Hilfebedarf groß. Durchfall- und Hauterkrankungen, grippale Infekte, gynäkologische Probleme sowie Hepatitis B und C sind an der Tagesordnung. Vielerorts stehen der Bevölkerung allerdings kaum Gesundheitsdienste zur Verfügung. Die Menschen sind gezwungen, weite Wege für eine medizinische Versorgung zurückzulegen. Für Frauen, deren Bewegungsfreiheit kulturell bedingt stark eingeschränkt ist, ist diese Situation besonders bedrohlich.

Ziel

Die medizinische Grundversorgung für Rückkehrerinnen und Rückkehrer, Binnenvertriebene und für die lokale Bevölkerung der aufnehmenden Gemeinden wird durch die Instandsetzung und den Betrieb von zwei Gesundheitszentren in Walayati (Distrikt Bagrami) und Bazari (Distrikt Kalakan) in der Provinz Kabul sichergestellt. Insbesondere Mütter und Kinder profitieren von den Gesundheitsdienstleistungen.

Maßnahmen & Wirkung

Um Rückkehrerinnen und Rückkehrern, Binnenvertriebenen und der lokalen Bevölkerung in den aufnehmenden Gemeinden der Provinz Kabul einen Zugang zu einer basismedizinischen Versorgung zu ermöglichen, unterstützt die Bundesregierung die Instandsetzung und den Betrieb von zwei bestehenden Gesundheitszentren in Walayati und Bazari. Ziel ist es, die Gesundheitssituation für rund 30.000 Menschen in den Distrikten Bagrami und Kalakan zu verbessern, rund 2.700 davon sind Rückkehrer und Rückkehrerinnen.

Grundlegende Gesundheitsversorgung

Die Sanierung und der Betrieb von zwei Gesundheitszentren tragen dazu bei, dass die Bevölkerung in Walayati und Bazari einen sicheren Zugang zu Basisgesundheitsdiensten hat. Ziel ist, dass genügend Personal, Material und Medikamente für grundlegende Heilbehandlungen, Impfungen und Mutter-Kind-Gesundheitsdienstleistungen zur Verfügung stehen. Die Gesundheitszentren werden zwei Ärzte, zwei Krankenpfleger, zwei Gemeinde-Hebammen, zwei Impfassistenten und zwei Gemeinde-Gesundheitsaufseher beschäftigen. Das Personal wird regelmäßig geschult, um eine hochwertige Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Bisher wurden mehr als 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheitszentren fortgebildet. Darüber hinaus erhielten 65 Gemeinde-Gesundheitshelfer, Gemeinde-Gesundheitsaufseher und Freiwillige Trainings.  

Gesundheitsleistungen für Mütter und Kinder

Bisher wurden die Belange von Müttern und Kindern in den Gesundheitszentren nicht ausreichend berücksichtigt. Ein besonderes Augenmerk liegt daher auf Gesundheitsleistungen für diese besonders gefährdete Zielgruppe. Die Gesundheitszentren bieten eine Vor- und Nachsorge für Schwangere an sowie Geburtshilfe und Impfungen für Kinder unter einem Jahr. Aufklärungs- und Informationskampagnen beraten Mütter zur Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern. Ziel ist es zudem, die Rate der Frauen, die unter Aufsicht einer qualifizierten Geburtshelferin entbinden, auf 80 Prozent zu erhöhen.

Lokale Strukturen für die Gesundheit

Um die Gesundheitssituation in den Gemeinden nachhaltig zu verbessern, wurden zwei lokale Gesundheitskomitees (Schuras) gegründet. Diese fördern die Verbreitung von Gesundheitsinformationen unter der Dorfbevölkerung von Walayati und Bazari. Rund 1.600 Aufklärungsveranstaltungen helfen dabei, die Gesundheitssituation auf Gemeindeebene zusätzlich zu verbessern. Insgesamt werden 12.800 Personen über die verfügbaren Gesundheitsdienstleistungen informiert und über richtiges Hygieneverhalten, die Versorgung von Schwangeren und frisch Entbundenen sowie Säuglingen und Kleinkindern aufgeklärt.

Übersicht

Programm:
Medizinische Grundversorgung von Rückkehrern, Binnenvertriebenen und Gastgemeinden in der Provinz Kabul
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Malteser International
Durchführungs-organisationen:
Union Aid
Provinzen:
Kabul
Programmziel:
Die medizinische Grundversorgung in den Distrikten Bagrami und Kalakan wird durch die Instandsetzung und den Betrieb von zwei Gesundheitszentren sichergestellt.
Gesamtlaufzeit:
September 2018 – Oktober 2020