Governance-Strukturen stärken für eine bessere Infrastruktur

Die Lebensbedingungen im Norden Afghanistans sind nach wie vor schlecht. Die Mehrheit der Bevölkerung hat nur eingeschränkten Zugang zu grundlegender Infrastruktur und staatlichen Dienstleistungen. Es fehlt unter anderem an Straßen, Brücken, sauberem Trinkwasser, Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft, Energieversorgung, Hochwasserschutz und Schulen.

Situation

Die staatlichen Strukturen sind nicht leistungsfähig genug, um diese Missstände nachhaltig zu beseitigen. Es fehlt an transparenten und partizipativen Entscheidungsprozessen und Fachexpertise in der Provinzverwaltung für die Planung, Umsetzung und den Betrieb von Infrastrukturprojekten.

Ziel

Die Vorhaben stellen der Bevölkerung im Norden Afghanistans eine verbesserte Basisinfrastruktur zur Verfügung. Die Governance- Strukturen auf Distrikt- und Provinzebene werden gestärkt, um transparente Verfahren zur Auswahl, Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten sowie deren nachhaltigen Betrieb zu gewährleisten. Die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung und das Vertrauen in staatliche Institutionen steigen. Das trägt zu einer friedlichen Entwicklung des Landes und einer stärkeren Legitimität des Staates bei.

Maßnahmen & Wirkung

Das BMZ finanziert den Regionalen Infrastrukturentwicklungsfonds (RIDF) seit 2010 über die KfW Entwicklungsbank. Die Infrastrukturprojekte werden von den Provinzentwicklungsräten ausgewählt. Sie entstehen unter Leitung der zuständigen Behörden auf Provinzebene, die während der Umsetzung praktisch geschult werden. So entstehen leistungsfähige, legitime und bürgerorientierte staatliche Strukturen.Die Handlungsfelder des RIDF sind:

Straßenbau

31 Kilometer asphaltierte und 79 Kilometer Schotterstraßen wurden gebaut. Weitere 17 Kilometer Asphaltstraße befinden sich im Bau, 11 Kilometer in Planung. Andere Straßen werden saniert oder vor Steinschlag und Überflutung geschützt. Der Zugang zu Grundversorgungsangeboten wird der Bevölkerung dadurch erleichtert.

Bau von Bewässerungskanälen

Bauern der Provinzen Badakhshan, Baghlan und Takhar konnten ihre Erträge steigern, weil sie aufgrund des Baus und der Sanierung von 63 Kilometern Bewässerungsleitungen 22.150 Hektar Land zusätzlich bewirtschaften können. Weitere Bewässerungsleitungen wurden instand gesetzt.

Hochwasserschutz

In Taloqan in der Provinz Takhar wurden fünf Kilometer Flutmauern errichtet, um die Stadt vor Überschwemmungen zu bewahren. Weitere Flutmauern schützen Ackerflächen, Bewässerungskanäle, Stadtbewohner und städtische Infrastruktur in Nordafghanistan.

Ausbau des Stromversorgungsnetzes

In den Provinzen Kunduz und Baghlan wurden 3.850 Haushalte an das Stromnetz angeschlossen, im Distrikt Hazar Sumuch in der Provinz Takhar waren es 1.900. Dadurch steigt die Lebensqualität und das wirtschaftliche Wachstum in der Region wird angekurbelt. Weitere 4.300 Haushalte sollen in Samangan und Balkh angeschlossen werden.

Schulbau

In der Provinz Badakhshan wurden acht Schulen für 5.500 Mädchen und Jungen errichtet sowie zwei Dorfschulen. In den Provinzen Takhar und Samangan entstehen fünf städtische Schulzentren für 20.500 Schülerinnen und Schüler. Weitere Schulen befinden sich im Bau und in Planung, bestehende Schulgebäude werden saniert.

Personalentwicklung

Das Vorhaben nutzt die Infrastrukturprojekte, um Personal der Fachabteilungen der afghanischen Regierungsbehörden auf Provinzebene fortzubilden. Der RIDF bietet eine praktische Ausbildung am Arbeitsplatz, Coachings, Seminare, Fernkontrollen und Vor-Ort-Begehungen nach dem Konzept des integrierten Lernens (Integrated Professional Development, IPD). Mehr als 5.500 Regierungsangestellte, vor allem Ingenieure, haben an IPD-Angeboten teilgenommen.

Übersicht

Programm:
Regionaler Infrastrukturentwicklungsfonds (RIDF)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Afghan Ministry of Finance (MoF)
Durchführungs-organisationen:
KfW Entwicklungsbank
Provinzen:
Badakhshan, Baghlan, Balkh, Kunduz, Samangan, Takhar
Programmziel:
Die Lebensbedingungen in Nordafghanistan werden verbessert, indem Basisinfrastruktur bereitgestellt wird. Die Verwaltung und Bürgergruppen auf Distrikt- und Provinzebene werden in die Lage versetzt, Infrastrukturprojekte nach den Bedürfnissen der Bevölkerung selbst zu planen, umzusetzen und zu betreiben.
Gesamtlaufzeit:
November 2010 – Dezember 2021