Grundbildung für Polizeikräfte

Afghanistan steht beim Aufbau eines Rechtsstaats vor Herausforderungen. Die wenigsten Polizistinnen und Polizisten besitzen die nötigen Qualifikationen für ihre Arbeit, auch Bürgernähe spielt für die Afghanische Nationalpolizei (ANP) noch so gut wie keine Rolle.

Situation

Aufgrund des Mangels an ausgebildeten, einsatzfähigen und bürgernahen Polizeikräften werden für die ANP oft unqualifizierte Arbeitskräfte herangezogen. Diese Polizistinnen und Polizisten wissen oft nicht, wie sie entsprechend der Verfassung und den Gesetzen für Sicherheit sorgen sollen. Selbst an Allgemeinbildung fehlt es den meisten Kräften der afghanischen Exekutive. Mehr als 80 Prozent der aktiven Polizeikräfte können nicht oder kaum lesen und schreiben. Grundlegende Aufgaben der Polizeiarbeit können sie deswegen nicht erfüllen, etwa das Kontrollieren von Pässen, Führerscheinen und Formularen.

Ziel

Die Kräfte der afghanischen Polizei sind besser ausgebildet. Sie können ihre Aufgaben professioneller erfüllen und Bürgernähe herstellen. Die afghanische Polizei genießt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger und leistet einen wichtigen Beitrag zu Stabilität, Sicherheit und Frieden im Land. Es werden möglichst rasch spürbare Verbesserungen angestrebt.

Maßnahmen & Wirkung

Das Projekt im Auftrag des deutschen Außenministeriums unterstützt die grundlegende Ausbildung von Polizeikräften in ganz Afghanistan. Alphabetisierungskurse, gekoppelt mit Staatsbürgerkunde, geben den Polizistinnen und Polizisten die Basis für kompetentes, eigenständiges und professionelles Handeln.

Alphabetisierungskurse für Zehntausende Polizeikräfte

Durch Alphabetisierungskurse für Polizeikräfte schafft das Projekt die Grundvoraussetzung für professionelle Polizeiarbeit. Das Lese- und Schreibtraining findet täglich während der Dienstzeit statt. Die deutsche Zusammenarbeit mit Afghanistan unterstützt die Kurse durch Lehrkräfte sowie Lehrmaterial und stellt Tische, Bänke und Tafeln.

Mehrere Zehntausend Afghaninnen und Afghanen im Polizeidienst haben bereits Alphabetisierungskurse des Projekts besucht. Bisher erhielten mehr als 25.000 Polizisten und über 600 Polizistinnen ein Zertifikat. Das afghanische Bildungsministerium setzt dieses Zeugnis einem Schulabschluss der dritten Klasse gleich.

Aktuell durchlaufen mehr als 27.000 Polizisten und rund 850 Polizistinnen das Programm. Zusätzlich nehmen mehr als 10.000 Polizeikräfte an weiterführenden Kursen teil, die einen Schulabschluss auf dem Niveau der sechsten Klasse ermöglichen.

Rechte und Rolle der Polizei

Das Programm nutzt die Alphabetisierungskurse, um den Polizeikräften zusätzlich Grundbildung und Staatsbürgerkunde zu vermitteln. Themen wie Menschenrechte, Gesundheit und Gleichberechtigung stehen auf der Agenda. Die Teilnehmenden lernen, welche Rolle die Polizei im Staatsgefüge und im Verhältnis zur Bevölkerung spielt. Die umfassende Ausbildung soll die Polizistinnen und Polizisten in die Lage versetzen, ihre Aufgaben professioneller zu erfüllen. Zugleich macht die Ausbildung den Polizeidienst attraktiver, denn sie bietet den Polizisten und Polizistinnen die Chance, beruflich und gesellschaftlich aufzusteigen.

Ausbildung von „Literacy Officers“

Eine Aus- und Fortbildung erhalten im Rahmen des Programms auch Fachkräfte des afghanischen Innenministeriums. Sie werden zu „Literacy Officers“ ausgebildet. Ihre Aufgabe ist unter anderem das Unterrichten und die Koordination der Alphabetisierungskurse.

Übersicht

Programm:
Ausbildung und Alphabetisierung der afghanischen Polizei (PCP)
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Afghanisches Innenministerium (MoIA)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Landesweit
Programmziel:
Die afghanische Polizei kann ihre Aufgaben professioneller und bürgernäher wahrnehmen. Sie trägt zu mehr Stabilität und Sicherheit im Land bei.
Gesamtlaufzeit:
Oktober 2014 – Oktober 2020