Gutes Leben in der Stadt

Die Anziehungskraft der Metropolen ist ungebrochen. Menschen ziehen vom Land in die Städte. Sie suchen nach besseren Lebensbedingungen. Der weltweite Trend zur Urbanisierung hat auch Afghanistan erfasst. Prognosen zufolge wird im Jahr 2060 die Hälfte der afghanischen Bevölkerung in der Stadt leben.

Situation

Die Hauptstadt wächst rasant. Mit einer Bevölkerungswachstumsrate von jährlich rund zehn Prozent in den vergangenen zehn Jahren gehört Kabul zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt.

Die Entwicklung der Infrastruktur hält mit dem Tempo nicht Schritt. 70 Prozent der Kabuler Bevölkerung leben in informellen oder illegalen Siedlungen. Die Lebensumstände sind prekär. Drei von vier Bewohnern haben keinen oder erschwerten Zugang zu Basisdienstleistungen. Schulen, Behörden, Krankenhäuser und Apotheken sind schlecht zu erreichen. Ungeordnete Müllund Abwasserentsorgung beeinträchtigt die Wohnqualität. Die Straßen sind in einem schlechten Zustand. Fußgängerbereiche und Grünflächen fehlen. Die Altstadt ist von den genannten Herausforderungen in besonderem Maße betroffen. Insbesondere der historische Kern der Fünf-Millionen-Stadt ächzt unter der ungeregelten Siedlungsentwicklung.

Ziel

Um den vielfältigen Herausforderungen der Verstädterung zu begegnen, hat die afghanische Regierung das „Afghanistan Urban National Priority Programme“ (Urban-NPP) aufgelegt. Das Vorhaben „Kabul Riverfront Transformation“ (KARIT) unterstützt diese Initiative im Bereich der städteplanerischen Neugestaltung. Die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur in ausgewählten Quartieren der Kabuler Altstadt wird verbessert. Klar definierte öffentliche Räume stärken das Potenzial für Einzelhandel, Gewerbe und Märkte. Besondere Berücksichtigung findet das historisch-kulturelle Erbe der Erneuerungsgebiete. Verbesserte Umweltbedingungen werten das Wohnumfeld auf und steigern die Lebensqualität. Die verbesserten Lebensbedingungen tragen dazu bei, ein sicheres und stabiles Umfeld für die Bewohnerinnen und Bewohner Kabuls zu schaffen. Es werden möglichst rasch spürbare Verbesserungen angestrebt.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Einbeziehung der Bevölkerung. Der 30 Monate währende Prozess stärkt eine intensive Interaktion aller Beteiligten und fördert Begegnungen zwischen den unterschiedlichen Ethnien und Nutzergruppen.

Maßnahmen & Wirkung

Die Maßnahmen betreffen alle Bereiche des öffentlichen Lebens, das Wohnen und Arbeiten, den Verkehr und die Dienstleistungen, die Bildung und die Nahversorgung. Das Projekt gliedert sich in mehrere Komponenten, die zeitlich unabhängig voneinander umzusetzen sind.

Im Einzelnen dienen die verschiedenen Module des Programms:

  • der Schaffung und Aufwertung von urbaner öffentlicher Infrastruktur,
  • der Gestaltung öffentlicher Räume und Grünflächen,
  • der Verbesserung der sozioökonomischen und ökologischen Lebensbedingungen,
  • der Modernisierung und Wiederbelebung des historischen Industriegeländes „Machine Khana Industrial Complex“ als Ort für soziale und kulturelle Veranstaltungen sowie für wirtschaftliche und kommerzielle Zwecke,
  • der Schaffung wirtschaftlicher Perspektiven für die Bevölkerung.


Eine Sanierung und Neubelebung des im Stadtzentrum gelegenen Industriekomplexes bietet der Bevölkerung auch eine Perspektive für Arbeit und Einkommen. Zusätzlich werden verschiedene Trainingsangebote im Jangalak Vocational Training Center angeboten. Diese ermöglichen vor allem den Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Industrieparks eine berufliche Qualifizierung. Die Teilnehmenden können sich für verschiedene (Kunst-)Handwerke bewerben. Das Schulungsangebot umfasst Schneidern, Sticken, Teppichknüpfen, Schreinern sowie Gartenund Landschaftsbau.

Seit dem Start im August 2018 sind bereits erste positive Effekte sichtbar. Sowohl gelernte als auch ungelernte Menschen haben eine befristete und bezahlte Arbeit erhalten. Die Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven der Menschen werden somit nachhaltig verbessert.

Mitwirkung der Bevölkerung

Die umfangreichen Bautätigkeiten im Stadtzentrum sind für die Bevölkerung deutlich sichtbar. In ihrem direkten Lebensumfeld entstehen Straßen, Fußgängerzonen, Märkte und Parkanlagen. Die angestrebte Mitwirkung der Menschen an dem Erneuerungsprojekt trifft dadurch auf gute Voraussetzungen. Einfache Maßnahmen in den Bereichen Müllbeseitigung, Wasserversorgung, Abwasser und Entwässerung führen zu einer spürbaren Verbesserung der Umweltbedingungen im Alltag der Menschen.

Bewahrung des kulturellen Erbes

Das Projekt strebt eine Balance von Wohnen und Arbeiten an einem historischen Ort an. Es schafft Voraussetzungen für Handel, Märkte und kleine Unternehmen. Es verbessert die Alltagsbedingungen der Anwohner und Anwohnerinnen sowie der Berufstätigen. Zugleich bewahrt es das historische und kulturelle Erbe. Zusätzlich erleichtert der Ausbau der Infrastruktur den Zugang zu Bildungsangeboten, Gesundheitseinrichtungen, Lebensmittelmärkten und Gemeindebehörden. Die Aufwertung des Lebensumfelds führt zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts in der Stadt. Von den verschiedenen Maßnahmen werden rund 390.000 Menschen in Kabul profitieren.

Übersicht

Programm:
Kabul Riverfront Transformation (KARIT)
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Aga Khan Trust for Culture (AKTC)
Durchführungs-organisationen:
Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
Provinzen:
Kabul
Programmziel:
Durch die Verbesserung urbaner, sozialer und wirtschaftlicher Infrastruktur in ausgewählten Quartieren der Kabuler Altstadt werden Begegnungen zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen und Ethnien ermöglicht.
Gesamtlaufzeit:
Juli 2018 – Dezember 2020