Mehr Stabilität im Norden Afghanistans

Im abgelegenen Norden Afghanistans sind die Lebensbedingungen schwierig. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Region leben überwiegend von Landwirtschaft und Tierzucht. Andere Arbeitsmöglichkeiten mit besseren Verdienstchancen gibt es kaum.

Situation

Benachteiligt sind die Menschen im ländlichen Nordafghanistan auch durch die unkalkulierbare Sicherheitslage und die schlechte Infrastruktur. Es fehlt zum Beispiel an Straßen, Brücken und Elektrizität. Da es auch nicht genug Schulen gibt, sind die Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten eingeschränkt.

Ziel

Die Lebensbedingungen der Menschen im ländlichen Nordafghanistan haben sich durch die neue und sanierte sozioökonomische Infrastruktur verbessert. Es gibt funktionsfähige Schulen, Straßen, Brücken, Gemeindehäuser und Märkte.

Vertreterinnen und Vertreter der Bevölkerung in den Distrikten planen die Entwicklungsvorhaben und begleiten deren Umsetzung. Darüber hinaus kooperieren sie stärker miteinander, arbeiten besser mit staatlichen Institutionen zusammen und übernehmen Verantwortung für Betrieb und Wartung der neuen Infrastruktur. Das trägt dazu bei, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität des Landes. Es werden möglichst rasch spürbare Verbesserungen angestrebt.

Maßnahmen & Wirkung

Das Auswärtige Amt unterstützt die afghanische Regierung dabei, die Situation in den Distrikten im Norden des Landes zu verbessern. Dazu knüpft das „Stabilisierungsprogramm Nordafghanistan“ an das erfolgreiche „Nationale Solidaritätsprogramm“ (NSP) des afghanischen Ministeriums für die Entwicklung des ländlichen Raums (MRRD) an. Das NSP hatte in den vergangenen Jahren in den Gemeinden Afghanistans Dienstleistungs- und Verwaltungsstrukturen aufgebaut. Jetzt geht es darum, die Distrikte mit besserer Infrastruktur zu versorgen.

Ausbau von Infrastruktur

Das Programmteam unterstützt Gemeinden in 52 Distrikten im Norden des Landes beim Aufbau von Infrastruktur. Die Bevölkerung, Institutionen der Gemeinden sowie Vertreterinnen und Vertreter der Distriktverwaltungsräte haben ein Mitspracherecht bei Entscheidungen darüber, welche Infrastrukturprojekte verwirklicht werden. Ein positiver Nebeneffekt: Die Vertreter und Vertreterinnen der unterschiedlichen Distrikte lernen sich kennen. Oft ist das der Grundstein dafür, dass sie sich besser miteinander vernetzen und künftige Projekte erfolgreich miteinander koordinieren.

Die Distrikte erhalten Zuschüsse zu kleinen Infrastrukturprojekten. In einem Auswahlprozess legen die Distriktentwicklungsräte fest, was für die Entwicklung ihres Distriktes am wichtigsten ist. Grundlage für die Auswahl bilden die bereits bestehenden Distriktentwicklungspläne.

Bisher wurden bereits über 280 Schulgebäude sowie 40 Straßen und Brücken neu gebaut, instand gesetzt oder erweitert. Schulen erhielten die notwendige Ausstattung. Lehrerinnen und Lehrer sind jetzt besser dazu in der Lage, einen ansprechenden Unterricht zu gestalten. In den neuen Schulen finden Kinder adäquate Lernbedingungen vor. Die Verkehrswege erleichtern den Menschen den Weg zur Arbeit, zu Märkten und zu Ämtern.

Durch die Bauprojekte entstehen Jobs und damit Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Jedes einzelne Projekt wird durch Ingenieurinnen und Ingenieure der Partnerorganisationen, Baufirmen, Distriktentwicklungsräte sowie Monitoringexpertinnen und -experten überwacht und geprüft. Das sichert die Qualität und den Wissenstransfer zwischen allen Beteiligten.

Trainings für Distriktverwaltungen

Fortbildungen fördern die Professionalität und Handlungsfähigkeit der Entwicklungsräte aus den 52 Distriktverwaltungen. Die Ratsmitglieder erhalten Trainings zu den Themen Projektauswahl und Monitoring. Auf dieser Basis können sie besser einschätzen, welche Infrastrukturprojekte für die Menschen vor Ort am wichtigsten sind. Die Prozesse zur Verwirklichung der Projekte gestalten sie durch die Trainings effizienter und effektiver. Schulungen erhalten die Distriktentwicklungsräte darüber hinaus zu Konfliktlösung, Einbeziehung von Frauen sowie Verwaltung von Gemeindegütern. Knapp 19.000 Mitglieder von Distriktentwicklungsräten – davon etwa 4.400 Frauen – haben die Schulungen bislang besucht.

Studie zur Wirksamkeit der Aktivitäten

Eine fortlaufende wissenschaftliche Untersuchung bewertete zwischen 2010 und Ende 2018, ob und inwieweit das Stabilisierungsprogramm Verbesserungen für die Region bringt. Die Studie hob positiv hervor, dass die Vertreter und Vertreterinnen der Distriktentwicklungsräte sowohl bei der Projektauswahl als auch bei der Realisierung der Projekte beteiligt sind. Dieses Vorgehen sorgt für Transparenz und stellt sicher, dass die neuen Infrastrukturprojekte tatsächlich den Bedarf erfüllen.

Die Abschlussuntersuchung kam 2018 zu dem Ergebnis, dass die Maßnahmen des Projekts Präsenz und Sichtbarkeit des Staates in den entlegenen Regionen fördern und sich positiv auf die Stabilisierung der vier Provinzen auswirken.

Übersicht

Programm:
Stabilisierungsprogramm Nordafghanistan (SPNA)
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Aga Khan Foundation Afghanistan (AKF-A)
Durchführungs-organisationen:
KfW Entwicklungsbank, Aga Khan Foundation Afghanistan (AKF-A), Agentur für Technische Zusammenarbeit und Entwicklung (ACTED), Mercy Corps (MC)
Provinzen:
Badakhshan, Baghlan, Kunduz, Takhar
Programmziel:
Die sozioökonomische Infrastruktur der Regionen ist verbessert, lokale Entwicklungsräte arbeiten effektiv und kompetent. Dadurch stabilisiert sich die Region.
Gesamtlaufzeit:
Mai 2010 – Dezember 2019