Nachhaltige Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung

Das Wirtschaftswachstum in Afghanistan stagniert seit Jahren. Die schwierige Sicherheitslage im Land und die politische Unsicherheit wirken sich negativ auf das Investitionsklima und den Arbeitsmarkt aus. Zahlreiche Rückkehrer und Binnenvertriebene verschärfen die ohnehin angespannte Arbeitsmarktlage zusätzlich.

Situation

Nahezu 40 Prozent der afghanischen Bevölkerung haben keinen festen Job oder sind unterbeschäftigt. Auf dem Land ist sie Lage noch gravierender. Hier leben acht von zehn Menschen unterhalb der nationalen Armutsschwelle – doppelt so viele wie in den Städten.

Die Landwirtschaft bildet das Rückgrat der afghanischen Wirtschaft. Etwa 80 Prozent der Menschen sind direkt in der Landwirtschaft oder der Verarbeitung und dem Handel mit landwirtschaftlichen Produkten tätig. Die meisten Landwirtschaftsbetriebe sind familiäre Bauernhöfe, die überwiegend für den eigenen Bedarf produzieren. Der landwirtschaftliche Ertrag ist gering, weil Wissen zu modernen Anbau- und Lagertechniken fehlt und nahezu die Hälfte der Bewässerungsinfrastruktur im Land noch immer beschädigt oder zerstört ist. Eine Bereitschaft für Investitionen besteht oft nicht. Nur wenige der Bauernhöfe entwickeln sich daher von der Subsistenzwirtschaft zum Agrarbetrieb weiter. Auch weiterverarbeitenden Betrieben und Händlern fehlt es oft an technischem und betriebswirtschaftlichem Know-how sowie an Investitionsbereitschaft. Eine Folge ist, dass keine neuen Arbeitsplätze im Agrarsektor entstehen.

Ziel

Die Voraussetzungen für wirtschaftliche Aktivitäten und Beschäftigung im Agrarsektor im Norden Afghanistans werden verbessert. Männer und Frauen aus besonders armen Familien sowie Rückkehrer und Binnenvertriebene bekommen durch temporäre Jobs die Möglichkeit, kurzfristig ein Einkommen zu erwirtschaften und die Ernährung ihrer Familie sicherzustellen.

Maßnahmen & Wirkung

Seit dem Jahr 2002 unterstützt die Bundesregierung die afghanischen Partner dabei, die Wirtschaft und Beschäftigung im Land anzukurbeln. Drei Programme wirken dabei Hand in Hand:

Wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung im Agrarsektor fördern

Das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH durchgeführte Vorhaben „Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigungsförderung“ (SEDEP) fördert die Wertschöpfungsketten für die fünf Produkte Geflügel, Gemüse, Molkereiprodukte, Nüsse und Weizen. Produzenten, Berater, Lieferanten, Verarbeitungsbetriebe und Händler erhalten die Möglichkeit, ihre technischen, organisatorischen und unternehmerischen Fähigkeiten zu verbessern. In Schulungen lernen sie, Geschäftspläne zu erstellen, Investitions- und Finanzfragen besser einzuschätzen, ihre Betriebe effizienter zu führen und ihre Produkte besser zu vermarkten. Fortbildungen für Bäuerinnen und Bauern thematisieren etwa die Saatgutauswahl, Pflanz- und Erntemethoden und den Einsatz geeigneter Produktionsmittel. Mit Verbänden werden Messen und Märkte organisiert. So steigt die Produktivität der Betriebe, sie stellen mehr Mitarbeitende ein und können einen Beitrag zur Reintegration von Rückkehrerinnen und Rückkehrern leisten.

Das Vorhaben fördert kleine Infrastrukturmaßnahmen, etwa den Bau von Straßen, Bewässerungskanälen, Lagerhallen und Wasserreservoirs, um die Bedingungen für die Produktion und Verarbeitung im Agrarsektor zu verbessern. In Zusammenarbeit mit den afghanischen Industrie- und Handelskammern wird der Dialog zwischen dem privaten und öffentlichen Sektor gestärkt, um Geschäftshemmnisse zu identifizieren und abzubauen sowie Zukunftsperspektiven auszuhandeln.

Bislang haben rund 9.700 Personen an den angebotenen Fortbildungen, beispielsweise zu Produktions- und Verarbeitungstechniken, teilgenommen, 37 Prozent davon waren Frauen. 15.000 Flüchtlinge und Rückkehrende wurden qualifiziert und zu Unternehmensgründungen fortgebildet. Die geförderten Betriebe konnten ihr Einkommen 2018 um sieben Prozent steigern. Mehr als 20.000 Personen haben von einer verbesserten Infrastruktur profitiert.

Wirtschaftliche Infrastruktur entwickeln

Die KfW Entwicklungsbank verbessert mit dem Programm „Economic Infrastructure Development Afghanistan“ (EIDA) die wirtschaftliche Infrastruktur für die Wertschöpfungskette Weizen. Kaputte Bewässerungssysteme wurden saniert und verbessert und der Ertrag im Weizenanbau konnte gesteigert werden. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten sind entstanden und das Einkommen bäuerlicher Familien ist gestiegen. Aktuell fokussiert sich das Vorhaben auf den Neubau und die Instandsetzung von Transportwegen, Umschlags-, Handels- und Marktplätzen sowie die Verbesserung der Weiterverarbeitungsprozesse, den Marktzugang, die Lagerung und Saatgutproduktion. Damit soll die Wertschöpfungskette Weizen weiter verbessert werden.

Jobs schaffen – Infrastruktur verbessern

Mit der Initiative „Jobs for Peace“ (J4P) erhalten gelernte und ungelernte Männer aus armen Familien zeitweise eine bezahlte Arbeit. Sie unterstützen die Reparatur und Instandhaltung bestehender öffentlicher Infrastruktur und können mit ihren Einkommen Lebensmittel für ihre Familien kaufen oder dringend erforderliche Anschaffungen tätigen. Das Vorhaben schafft Jobs für rund 43.000 Männer und Frauen. Von deren Einnahmen profitieren insgesamt etwa 300.000 Familienmitglieder.

Mit dem Vorhaben unterstützt die KfW Entwicklungsbank ein Subventionsprogramm der afghanischen Regierung für die Instandhaltung und den Bau kommunaler Infrastruktur.

Übersicht

Programm:
Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigungsförderung (SEDEP), Economic Infrastructure Development Afghanistan (EIDA), Jobs for Peace (J4P)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Ministerium für Handel und Industrie (MoCI), Ministerium für ländlichen Wiederaufbau und Entwicklung (MRRD), Aga Khan Foundation Afghanistan (AKF), Mercy Corps (MC)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, KfW Entwicklungsbank
Provinzen:
Badakhshan, Baghlan, Balkh, Farah, Kunduz, Laghman, Logar, Nangahar, Samangan, Takhar
Programmziel:
Die Voraussetzungen für wirtschaftliche Aktivitäten im Agrarsektor werden verbessert. Beschäftigungsund Einkommensmöglichkeiten für Männer und Frauen aller Bevölkerungsgruppen werden geschaffen.
Gesamtlaufzeit:
EIDA: Dezember 2016 – Dezember 2023; J4P: Juli 2017 – Juni 2020; SEDEP: Januar 2008 – Juni 2020