Nationalstraße Kunduz-Khulm: Wirtschaftlicher Aufschwung durch Infrastruktur

Das Straßennetz im Norden Afghanistans ist nur mangelhaft ausgebaut. Die Straßen sind in einem schlechten Zustand, manche wurden durch kriegerische Auseinandersetzungen zerstört, die meisten waren vorher schon unbefestigte Erd- und Schotterpisten. Direkte Verbindungen zwischen Städten fehlen vielerorts und viele Orte auf dem Land sind kaum an das Straßensystem angebunden.

Situation

Um von Kunduz nach Mazar-e Sharif zu gelangen, müssen Auto- und Lkw-Fahrer zwischen Kunduz und der Ortschaft Khulm einen Umweg von 120 Kilometern über das südlich gelegene Pul-e Khumri in Kauf nehmen. Statt der direkten Verbindung von rund 112 Kilometern müssen sie 234 Kilometer zurücklegen. Dadurch verdoppeln sich Fahrtzeit, Treibstoffverbrauch, Transportkosten und CO2-Emissionen. Die mangelhafte Verbindung zwischen Kunduz und dem Wirtschaftszentrum Mazar-e Sharif ist ein großes Hindernis für die Logistik und die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Ziel

Ein 111,5 Kilometer langer Abschnitt der alten „Seidenstraße“ zwischen Kunduz und der Ortschaft Khulm, der bisher nur als Schotterpiste existierte, wird ausgebaut und asphaltiert. Der Ausbau der Nationalstraße fördert die wirtschaftliche Entwicklung und das Zusammenwachsen der Nordprovinzen, trägt zur Armutsminderung und zum Friedensprozess bei. Kunduz wird enger an das Wirtschaftszentrum Mazar-e Sharif angebunden, wodurch rund 1,7 Millionen Menschen einen verbesserten Zugang zu Märkten und Gesundheitsdienstleistungen erhalten.

Maßnahmen & Wirkung

Die Nationalstraße zwischen Kunduz und Khulm wird im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ausgebaut und an das Transportministerium übergeben. Die Strecke durch unwegsames, teils steiles Gelände wird am Irganak-Pass begradigt und verbreitert, damit sie auch für große Lkws problemlos passierbar ist. Die entstehende Direktverbindung verkürzt die Fahrstrecke und -zeit zwischen Kunduz und Khulm um etwa die Hälfte.

Bau in vier Abschnitten

Der Ausbau der Nationalstraße erfolgt in vier Phasen. Die ersten beiden Abschnitte, von Khulm bis Kilometer 58, wurden Ende 2017 abgeschlossen, die Hälfte der dritten Ausbauphase, bis Kilometer 68, im September 2018. Der Bau der Nationalstraße findet in enger Abstimmung mit der lokalen Bevölkerung und den Ältestenvertretern statt. So wird die Sicherheit des Projektes verbessert. Trotz der schwierigen Umstände konnten die Bauarbeiten bislang ungestört weitergeführt werden.

Hohes Nutzungspotenzial

Die beiden Anfangsstücke der Straße, 6,5 Kilometer von Kunduz westwärts in Richtung des Chardarrah-Distrikts sowie 8 Kilometer von Khulm ostwärts, führen durch dicht besiedeltes und landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet. Der schlechte Zustand der in Teilen noch unbefestigten Straße sowie Sicherheitsrisiken vor allem im Raum Chardarrah führen dazu, dass eine Nutzung derzeit nur sehr eingeschränkt möglich ist. Die Wirkung des Projekts wird sich erst nach der kompletten Fertigstellung entfalten. Studien und Umfragen ergaben, dass im Jahr der Inbetriebnahme bis zu 1.300 Fahrzeuge pro Tag die neue Nationalstraße passieren werden.

Die lokale Bevölkerung profitiert

Die lokale Bevölkerung wird durch zahlreiche Infrastrukturverbesserungen zusätzlich vom Straßenbau profitieren. Die meisten Menschen in der Region leben von der Landwirtschaft. Durch die Nationalstraße erhalten sie einen besseren Transportweg für ihre Waren und damit einen erleichterten Marktzugang. Entlang der Nationalstraße werden Brunnen gebohrt und Zufahrtswege geschaffen. Diese zusätzlichen Bauarbeiten schaffen Vertrauen und erhöhen die Akzeptanz und Unterstützung der lokalen Bevölkerung für das Projekt. Dorfbewohner angrenzender Gemeinden können durch ein „Cash for Work“-Programm während der Bauzeit für sich und ihre Familien ein zusätzliches Einkommen generieren.

Übersicht

Programm:
Nationalstraße Kunduz–Khulm (HKK)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Afghanisches Transportministerium (MoT)
Durchführungs-organisationen:
KfW Entwicklungsbank
Provinzen:
Balkh, Kunduz
Programmziel:
Ausbau der Nationalstraße zwischen Kunduz und Khulm als Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Nordprovinzen
Gesamtlaufzeit:
September 2010 – Dezember 2022