Nothilfe für Binnengeflüchtete und Rückkehrer

Gewaltsame Konflikte und extreme Dürreperioden zwingen die Einwohner Afghanistans immer wieder dazu, ihre Heimat zu verlassen. Eine gravierende Dürre betrifft seit Sommer 2018 viele Landesteile. Insbesondere die Provinz Herat ist davon schwer betroffen. Anbauflächen haben sich vielerorts in karge, unfruchtbare Erde verwandelt. Bauern fahren Missernten ein, Viehhüter verlieren ihre Tiere. Nahrungsmittel werden immer knapper, Einkommensmöglichkeiten fallen weg.

Situation

Laut dem World Food Programme (WFP) sind in Afghanistan derzeit mehr als zehn Millionen Menschen von den Folgen der Dürre betroffen, rund 3,5 Millionen haben mit akuter Ernährungsunsicherheit zu kämpfen. Das bedeutet, sie wissen nicht, ob sie am nächsten Tag noch genügend zu essen haben werden.

Die Situation der Binnengeflüchteten ist besonders unsicher. Für die Provinz Herat geht das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UNOCHA) von rund 253.000 Menschen aus, die vor der Dürre innerhalb Afghanistans geflüchtet sind. Hinzu kommen rund 243.000 Menschen, die aufgrund von Konflikten ihre Heimat verlassen mussten. Verschärft wird die Situation durch eine große Anzahl an Rückkehrerinnen und Rückkehrern, vor allem aus dem Iran. Nahrungsmittel und Wasser werden so immer knapper.

Viele Binnenvertriebene leben unter katastrophalen Umständen in provisorischen Unterkünften. Die betroffenen Gemeinden sind überlastet, die Behörden mit der Versorgung der Geflüchteten überfordert. Es fehlt an sauberem Trinkwasser, Nahrung und Hygieneutensilien. Für die Geflüchteten ist die Bewältigung des Alltags belastend und mit massivem Stress verbunden. Frauen und Kinder sind der Gefahr von Gewalt und Missbrauch ausgesetzt. Etwa 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren in Afghanistan sind mangelernährt. Hunger ist ein ständiger Begleiter im Land.

Ziel

Das Vorhaben lindert die akute Notsituation von Binnengeflüchteten, Rückkehrerinnen und Rückkehrern sowie den aufnehmenden Gemeinden in der Provinz Herat durch humanitäre Hilfe. Die Betroffenen erhalten Zugang zu Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Notunterkünften sowie hygienischer, psychosozialer und medizinischer Versorgung.

Maßnahmen & Wirkung

Das Auswärtige Amt hat Caritas international beauftragt, Nothilfe für Binnengeflüchtete, Rückkehrerinnen und Rückkehrer in der Provinz Herat zu leisten. Insgesamt sollen rund 100.500 Menschen von den Projektmaßnahmen profitieren. Das Vorhaben konzentriert sich auf fünf Bereiche:

Arbeit für Ernährungssicherheit

Um den akuten Hunger zu bekämpfen und die Binnengeflüchteten in der Provinz Herat finanziell zu unterstützen, hat Caritas international ein Cash-for-Work Programm für rund 1.800 Familien gestartet. Die Teilnehmer führen Reparatur-, Wartungs- oder Bauarbeiten durch. Die Arbeiten kommen der aufnehmenden Gemeinde zugute. Das Einkommen, dass die Geflüchteten erzielen, gibt ihnen die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen. Zudem verteilt Caritas international Bargeld an besonders bedürftige Familien, damit diese Nahrungsmittel kaufen können. Davon profitiert auch die lokale Wirtschaft der Gastgemeinden.

Zugang zu sauberem Trinkwasser

Um mehr Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, finanziert das Vorhaben den Bau von mehr als 70 Tiefbrunnen. Zudem werden Bewässerungssysteme errichtet sowie Hygienekits mit Seife, Zahnpasta und Chlortabletten zur Wasseraufbereitung verteilt. Sauberes Trinkwasser ist in den aufnehmenden Gemeinden oft nur in sehr geringen Mengen vorhanden. Es wird vor allem zum Kochen und Trinken benötigt, für die tägliche Hygiene bleibt kaum etwas übrig. Die neuen Brunnen werden dazu beitragen, die Hygienesituation zu verbessern und Epidemien zu vermeiden.

Notunterkünfte für Familien

Viele Binnengeflüchtete müssen in improvisierten Unterständen schlafen, einige übernachten sogar im Freien. Caritas international installiert Zelte und baut feste Notunterkünfte. Die Unterkunftssituation von 500 Familien wird so deutlich verbessert.

Psychosoziale Betreuung für Kinder

Die psychosoziale Belastung durch plötzlich eintretende Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte ist groß. Vor allem Kindern fällt es schwer, das Erlebte zu verarbeiten. Daher richtet Caritas international für 6.400 Kinder sogenannte Child Friendly Spaces ein. Das sind Orte, an denen Kinder für eine Weile die Entbehrungen und die Nöte des Alltags vergessen können.

Medizinische Versorgung für Mütter

Caritas international bietet 13.500 Frauen eine Pflege vor und nach der Geburt an. Hebammen versorgen Schwangere, Stillende und Wöchnerinnen sowie Säuglinge im Alter von bis zu sechs Monaten. Für die Versorgung stehen Medikamente und medizinisches Verbrauchsmaterial wie Verbände, Pflaster, Spritzen oder Einweghandschuhe zur Verfügung. Die Pflege kann auf Wunsch zu Hause erfolgen. So profitieren auch Frauen mit eingeschränkter Mobilität oder kulturell bedingten Bewegungseinschränkungen.

Die Hebammen erhalten Fortbildungen und Trainings zur Gesundheitsaufklärung. Sie beraten schwangere und stillende Frauen zu empfohlenen Impfungen, Stillpraktiken und medizinisch ratsamen Abständen zwischen Schwangerschaften.

Übersicht

Programm:
Nahrungsmittelhilfe und Sicherstellung des Zugangs zu Trinkwasser, Notunterkünften und Hygiene für Binnengeflüchtete, Rückkehrer und Gastgemeinden
Auftraggeber:
Auswärtiges Amt (AA)
Partner:
Cordaid, Terre des Hommes, Rural Rehabilitation Association for Afghanistan (RRAA)
Durchführungs-organisationen:
Caritas International – das Hilfswerk der deutschen Caritas
Provinzen:
Herat
Programmziel:
Das Vorhaben lindert die akute Notsituation von Binnengeflüchteten, Rückkehrern und den aufnehmenden Gemeinden in der Provinz Herat durch humanitäre Hilfe.
Gesamtlaufzeit:
Juni 2019 - Juni 2021