Saubere Energie als Treibstoff für Entwicklung

Eine geregelte Stromversorgung ist für die meisten Afghaninnen und Afghanen bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Obwohl die afghanische Regierung einen neuen Masterplan für den Stromsektor und eine nationale Strategie für erneuerbare Energien umsetzt, ist nach wie vor nur etwa ein Viertel der Bevölkerung an das Stromnetz angeschlossen.

Situation

Rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung Afghanistans leben auf dem Land. Hier haben gerade einmal zehn Prozent der Menschen Zugang zu einer geregelten Stromversorgung.

Das afghanische Stromnetz ist nicht dafür ausgelegt, alle Teile des Landes verlässlich mit Elektrizität zu versorgen. Die Stromproduktion reicht nicht aus, Leitungssysteme fehlen oder sind veraltet, Verteilernetze sind marode oder mangelhaft ausgebaut. Diese Situation führt zu hohen Stromverlusten mit teils mehrtägigen Stromausfällen. Hinzu kommt ein hoher Stromverbrauch der Bevölkerung. Ineffizientes Erwärmen von Wasser macht zeitweise bis zu 40 Prozent der Stromlast aus. Energieeffizienzmaßnahmen, eine Steigerung der netzgebundenen Versorgungskapazität und ein Ausbau der dezentralen Stromerzeugung und Verteilernetze sind dringend erforderlich.

Die afghanische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, die nationale Stromproduktion aus Erdgas und erneuerbaren Energien (Wind-, Wasser- und Solarenergie) von etwa 560 Megawatt im Jahr 2019 bis 2032 auf 2.300 Megawatt zu erhöhen.

Ziel

Die Bedingungen für die Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz in Afghanistan werden verbessert. Die afghanische Regierung wird dabei unterstützt, ausgewählte Strategien für den Energiesektor umzusetzen, eine Marktstrategie für den Privatsektor zu entwickeln und öffentliche Angestellte sowie Universitätsangehörige für den sich wandelnden Energiesektor weiterzubilden.

Maßnahmen & Wirkung

Im Auftrag der Bundesregierung berät die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH das afghanische Ministerium für Energie und Wasser (MEW) und andere öffentliche, private und akademische Institutionen bei der Planung einer nachhaltigen Energieversorgung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden befähigt, Finanzierungsstrategien und -mechanismen für den Energiesektor zu entwickeln und umzusetzen sowie die Effizienz ihrer Arbeitsprozesse zu erhöhen. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Endverbraucher sollen die Finanzierungsmechanismen nutzen, um in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren.

Die Umsetzung neuer Gesetze fördern

Die afghanische Regierung hat bereits wichtige Strategien für den Energiesektor verabschiedet und gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen. Erneuerbare Energien sind als ernstzunehmende und rentable Alternativen zur konventionellen Stromerzeugung anerkannt und werden zunehmend in Planungsprozessen berücksichtigt. Um die Umsetzung der neuen Gesetzgebung und politischer Strategien weiter zu verbessern, fördert ESIP die Zusammenarbeit der Hauptakteure des afghanischen Energiesektors auf nationaler, Provinz- und Gemeindeebene. Der Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung einer Tarifreform auf Basis transparenter, vereinheitlichter und kostendeckender Stromtarife sowie der fachlichen Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Regulierungsbehörden, damit diese Tarifsetzungsverfahren definieren und durchsetzen können.

Die Wertschöpfungskette des Energiemarkts verbessern

Das Vorhaben unterstützt die Verbesserung der Wertschöpfungskette des afghanischen Energiemarkts. Dies geschieht durch die Einführung von Standardkomponenten für Solaranlagen und freiwilligen Standards für Installateure. Damit wird die Qualität der Anlagen von der Anschaffung bis zur Installation gesichert. Kleine und mittlere Unternehmen sollen so ermutigt werden, in erneuerbare Energieerzeugung zu investieren und diese nachhaltig zu betreiben und zu warten.

Fachkräfte für den Energiesektor ausbilden

Energieingenieure sollen in ihrer Ausbildung besser auf den sich wandelnden Energiesektor vorbereitet werden. Ein Weiterbildungsprogramm für das nachhaltige Betreiben von Erneuerbare- Energien-Anlagen soll in die Berufsausbildung integriert werden. Auch die Entwicklung von Universitätslehrplänen im Bereich erneuerbare Energien ist im Gespräch.

Die Stromversorgung auf dem Land ausweiten

Erneuerbare Energien haben das Potenzial, zur ländlichen Entwicklung und zum Erhalt von Ökosystemen und Artenvielfalt beizutragen. Ziel ist, die Stromversorgung der Landbevölkerung im Nordosten Afghanistans auszuweiten und die Bevölkerung gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels widerstandsfähiger zu machen. Kleinwasserkraftanlagen werden saniert und erweitert sowie dezentrale Solaranlagen eingeführt. Im Umfeld von Kleinwasserkraftanlagen werden Begrünungs und Aufforstungsinitiativen zum Erosionsschutz durchgeführt. Gleichzeitig wird die Energieeffizienz von Kleinstunternehmen und Haushalten unter anderem durch effizientere elektrische Geräte erhöht.

Übersicht

Programm:
Programm zur Verbesserung des Energiesektors (ESIP)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Afghanisches Ministerium für Energie und Wasser (MEW), Nationales Elektrizitätswerk Da Afghanistan Breshna Sherkat (DABS), Afghanisches Ministerium für ländlichen Wiederaufbau und Entwicklung (MRRD), Afghanisches Bildungsministerium (MoHE), Universitäten, Afghanischer Verband für Erneuerbare Energien (AREU)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Badakhshan, Balkh, Herat, Kabul, Kunduz, Samangan, Takhar
Programmziel:
Die Versorgung der städtischen und ländlichen Bevölkerung mit umwelt- und klimafreundlich erzeugter Energie wird verbessert.
Gesamtlaufzeit:
Dezember 2007 – Juni 2021