Strom für Entwicklung

An zuverlässige Energieversorgung ist für die meisten Haushalte und Betriebe in Afghanistan nicht zu denken. Nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung sind an das Stromnetz angeschlossen, das ist weltweit einer der niedrigsten Werte. Besonders schlecht ist die Lage im Norden Afghanistans, wo nur wenige Städte und Dörfer Anschluss ans Stromnetz haben.

Situation

Die Ursachen des Problems sind mangelnde eigene Energieproduktion und eine unzureichende und überlastete Energieinfrastruktur. Es fehlen Anlagen zur Stromerzeugung, Netze, Umspannstationen, Steuerungs- und Regeltechnik sowie Hausanschlüsse. Afghanistan importiert 77 Prozent seines Stroms aus den Nachbarländern. Die Kosten hierfür sind in den vergangenen Jahren explodiert: 2015 zahlte Afghanistan für Importenergie 224 Millionen US-Dollar – vierzehnmal so viel wie 2007. Die Übertragungs- und Netzinfrastruktur ist so lückenhaft und instabil, dass selbst kleine Betriebsstörungen folgenreiche Stromausfälle verursachen können.

Die schlechte Energieversorgung hemmt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Für einen reibungslosen Arbeitsablauf brauchen Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser und die Einrichtungen der öffentlichen Sicherheit eine verlässliche Versorgung mit Strom. Unternehmen leiden unter den wirtschaftlichen Einbußen durch fehlenden Zugang zu Strom und Stromausfälle. Ohne eine stabile Energieversorgung ist eine Produktivitätssteigerung der Betriebe nicht möglich. Viele Afghanen behelfen sich mit Dieselgeneratoren, um die Versorgungsschwankungen auszugleichen. Doch Diesel ist teuer und die Kosten steigen stetig. Zudem belastet der Betrieb der Generatoren die Umwelt.

Afghanistan bietet gute Voraussetzungen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Bis auf die Wasserkraft steckt die umweltverträgliche Energieerzeugung in Afghanistan aber noch in den Kinderschuhen. Aus Wasserkraft, die allerdings nur saisonal zur Verfügung steht, produziert Afghanistan knapp die Hälfte seiner Energie. Die andere Hälfte wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen.

Ziel

Die Bevölkerung, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen im Norden Afghanistans werden zuverlässig mit Energie versorgt. Die Stromübertragung ist dank gezielter Investitionen in die Infrastruktur stabil. Die technische Infrastruktur bietet die Kapazitäten für großvolumige Stromimporte und regionalen Stromhandel.

Durch den Bau einer Wasserkraftanlage (8,5 Megawatt) in Faizabad, der Hauptstadt der Provinz Badakhshan, erhalten die Menschen in der Region umweltfreundlichen Strom. Der Ausbau des Stromverteilungsnetzes in Faizabad stellt die Stromlieferung an etwa 8.500 Haushalte sicher. Letztlich dient die Verbesserung der Stromversorgung der wirtschaftlichen Entwicklung, der Armutsbekämpfung und der Sicherheit in der Region.

Maßnahmen & Wirkung

Zur Verbesserung der Energieversorgung in Afghanistan finanziert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zahlreiche Projekte, die die KfW Entwicklungsbank umsetzt. Bei der regionalen Stromübertragung werden diese in Kooperationen mit der Asian Development Bank realisiert. Bei den aktuellen Maßnahmen in Nordafghanistan stehen die Verbesserung des Stromnetzes und der Ausbau der lokalen Stromerzeugung (Wasserkraftanlage) im Mittelpunkt.

Stromimporte erleichtern

Gezielte Investitionen in das Stromnetz erleichtern Stromimporte nach Afghanistan. Das Projekt umfasst die Teilfinanzierung einer 500-Megawatt-Stromrichterstation zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung in der Provinz Baghlan. Die Anlage unterstützt die Synchronisierung zwischen dem turkmenischen und dem afghanischen Elektrizitätssystem. Auch großvolumige Stromimporte werden nach der Fertigstellung der Stromrichterstation möglich sein. So verbessert sich die Netzstabilität der gesamten Region. Mittelfristig ist der Anschluss der Stromrichterstation an mehrere Transitleitungen vorgesehen, die derzeit noch in Planung sind. Damit werden die Voraussetzungen für weitere Stromimporte nach Afghanistan geschaffen und die Republik kann sich als Transitland für den regionalen Stromhandel etablieren.

Wasserkraftanlage für Faizabad

Die 74.000-Einwohner-Stadt Faizabad in Nordafghanistan wird bis Ende 2020 eine Wasserkraftanlage mit drei Turbinen und einer Leistung von 8,5 Megawatt erhalten. Zugleich steht der Ausbau des lokalen Stromverteilungsnetzes auf der Agenda. Die lokale Stromerzeugung und zuverlässige Versorgung mit erneuerbarer Energie verbessern die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungschancen in der Region und unterstützen ihre politische Stabilisierung.

Die Wasserkraftanlage dient auch dazu, Afghanistan unabhängiger von teuren Stromimporten und fossilen Brennstoffen zu machen. Bisher nutzen viele Menschen Dieselgeneratoren, um Strom zu erzeugen. Das belastet aber die Umwelt. Das Projekt leistet daher einen Beitrag zur nationalen Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, denn es unterstützt das Nachhaltigkeitsziel 7: bezahlbare und erneuerbare Energie.

Übersicht

Programm:
Regionale Stromübertragung Nordafghanistan; Dezentrale Stromversorgung durch erneuerbare Energien (Wasserkraftwerk Faizabad) und Provinzelektrifizierung Nordafghanistan (PENA I und PENA II)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Afghanisches Ministerium für Energie und Wasser (MEW), Nationaler Stromversorger Afghanistan (Da Afghanistan Breshna Sherkat, DABS)
Durchführungs-organisationen:
KfW Entwicklungsbank; Asian Development Bank (ADB)
Provinzen:
Badakhshan, Baghlan (Nordafghanistan)
Programmziel:
Die Energieversorgung für Privathaushalte, Unternehmen und Institutionen im Norden Afghanistans ist verbessert.
Gesamtlaufzeit:
Stromübertragung: Juli 2017 – Dezember 2023; REP: November 2007 – Dezember 2020; PENA I-II: Januar 2011 – Dezember 2021