Stromanschlüsse für Nordafghanistan

70 Prozent der Bevölkerung Afghanistans müssen ohne öffentliche Stromversorgung auskommen. Im ganzen Land sind nur 1,3 Millionen Haushalte an das Stromnetz angeschlossen, die meisten davon in den Städten. In den ländlichen Regionen haben weniger als zehn Prozent der Bevölkerung Zugang zum Stromnetz – dabei leben drei Viertel der Afghaninnen und Afghanen auf dem Land.

Situation

Afghanistan mangelt es an eigenen Anlagen zur Stromerzeugung. 77 Prozent seines Stroms muss der Binnenstaat daher von seinen Nachbarländern importieren. In Nordafghanistan sind die Energie liefernden nördlichen Nachbarländer und afghanische Anlagen zur Stromerzeugung an ein regionales Übertragungsnetz, das „North East Power System“ (NEPS), angeschlossen. Doch davon profitieren die Städte und Gemeinden im NEPS-Gebiet bisher kaum, denn ihnen fehlt der Zugang zu diesem regionalen Netz.

Viele afghanische Haushalte ohne Stromanschluss behelfen sich mit Dieselgeneratoren, die allerdings teuer im Betrieb und umweltschädlich sind. Die fehlende oder mangelhafte Stromversorgung behindert die wirtschaftliche und soziale Entwicklung vor allem der ländlichen Regionen Afghanistans.

Ziel

Lokale Stromnetze in Nordafghanistan werden an das Übertragungsnetz „North East Power System“ (NEPS) und dessen Erweiterung angeschlossen. Dadurch erhalten Städte und Gemeinden im NEPS-Gebiet eine zuverlässige Stromversorgung.

Maßnahmen & Wirkung

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert das Programm „Netzanbindung nördlicher Städte und Gemeinden“ mit dem Ziel, die Bevölkerung und die öffentlichen Einrichtungen Nordafghanistans besser mit Strom zu versorgen und die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu unterstützen.

Im Rahmen des Programms wurden bereits 20.000 Stromanschlüsse gelegt, die von bis zu 170.000 Menschen genutzt werden. Doch nicht nur die direkten Abnehmer profitieren vom neuen Stromangebot, sondern auch die ländliche Bevölkerung im Einzugsgebiet – rund 1,8 Millionen Menschen. Die zuverlässige Stromversorgung in der Region erleichtert auch ihnen den Zugang zu Dienstleistungen und Informationen. Darüber hinaus können kleine und mittelständische Unternehmen dank Stromzugang ihre wirtschaftliche Tätigkeit auf eine solidere Basis stellen und expandieren. So entstehen neue Arbeitsplätze, die für die Menschen in der Region ein Weg aus der Armut sein können.

Ausbau von Netz und Infrastruktur

Das BMZ-Programm finanziert die nötige Infrastruktur zum Ausbau des Hochspannungsnetzes und zur besseren Stromverteilung und -versorgung in Nordafghanistan. Es werden Umspannstationen gebaut, Übertragungs- und Verteilungsleitungen, Steuerungs- und Regeltechnik für eine erhöhte Netzintegration installiert sowie Haushaltsanschlüsse gelegt. Parallel dazu unterstützt ein Consultant die Partner bei der Umsetzung des Programms und es finden Schulungen zum Betrieb der installierten Anlagen statt.

Programm zur Verbesserung der Energieversorgung geplant

Das BMZ unterstützt nicht nur den Ausbau der Stromversorgung, sondern auch die klimafreundliche Energieerzeugung in Afghanistan. Ein neues Programm zur Verbesserung der Energieversorgung durch erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz ist geplant. Die Maßnahmen beinhalten unter anderem die Netzanbindung weiterer Städte und Gemeinden, den Bau von netzgebundenen, großen Photovoltaikanlagen, autarken Solaranlagen sowie Anlagen für Privathaushalte. Parallel dazu wird das Vorhaben Energieeffizienz und Solarthermie fördern sowie technische Beratung zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz anbieten.

Das BMZ hat für das Vorhaben „Verbesserung der Energieversorgung durch erneuerbare Energien und Energieeffizienz“ bereits 60 Millionen Euro zugesagt.

Übersicht

Programm:
Netzanbindung nördlicher Städte und Gemeinden (NEPS)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Afghanisches Ministerium für Energie und Wasser (MEW)
Durchführungs-organisationen:
KfW Entwicklungsbank
Provinzen:
Balkh, Samangan
Programmziel:
Bisher benachteiligte Standorte im Bereich des „North East Power Systems“ (NEPS) werden an die Elektrizitätsversorgung angeschlossen.
Gesamtlaufzeit:
Januar 2010 – Dezember 2020