Wasser und Abwasser nachhaltig managen

Wasser ist in vielen afghanischen Städten sowie auf dem Land ein knappes Gut. Zwar hat Afghanistan seine Wasserversorgung in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut, doch ein Großteil der städtischen Bevölkerung hat noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die ländliche Bevölkerung bezieht ihr Wasser aus Brunnen, fließenden Gewässern oder muss es von Wassertankwagen kaufen. Die knappen Wasserressourcen werden zunehmend übernutzt und verschmutzt.

Situation

Auch die Situation der Abwasserentsorgung und damit die sanitären Verhältnisse sind vielerorts schlecht. Ein Viertel der Todesursachen von Kindern unter fünf Jahren wird auf wasserbedingte Krankheiten zurückgeführt.

Ein Grund für diese Situation sind Mängel in der Struktur und im Management des Wassersektors. Unterschiedliche staatliche Institutionen sind für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung verantwortlich. Zuständigkeiten und Arbeitsprozesse werden oft nicht ausreichend abgestimmt, Schnittstellen sowie Möglichkeiten des Informationsmanagements nicht genutzt. Dem Behördenpersonal fehlt es zudem oft an Wissen und organisatorischen Strukturen für einen technisch einwandfreien Betrieb der Infrastruktur, eine effiziente wasserwirtschaftliche Planung und ein nachhaltiges, integriertes Wasserressourcenmanagement.

Ziel

Die Wasserbehörden und zuständigen Institutionen in Afghanistan werden in die Lage versetzt, eine bessere städtische Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zu gewährleisten. Ein nachhaltiges, integriertes Wasserressourcenmanagement wird entwickelt und die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Institutionen intensiviert.

Maßnahmen & Wirkung

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt afghanische Institutionen im Wassersektor dabei, die vorhandene Infrastruktur bedarfsgerecht und kompetent zu betreiben und die verfügbaren Wasserressourcen nachhaltig zu bewirtschaften. Das Programm stärkt die technischen Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Arbeitsabläufe in den Institutionen auf allen Hierarchieebenen und unterstützt damit den Aufbau institutioneller und organisatorischer Strukturen. Der Fokus der Zusammenarbeit liegt auf Kabul und Herat, Behörden in anderen Landesteilen werden von hier aus ebenfalls unterstützt.

Wasserressourcen nachhaltig nutzen

Gemeinsam mit dem Ministerium für Energie und Wasser und anderen zuständigen Institutionen erarbeitet das Programmteam Richtlinien und Methoden zur nachhaltigen Nutzung von Wasser. Eine Grundlage für gezieltes Wassermanagement ist die kontinuierliche Beobachtung des Grundwasserpegels. In den letzten Jahren hat das Projektteam daher in Kabul ein System zur Grundwasserbeobachtung aufgebaut, das nun auch in anderen Regionen eingeführt wird. In Herat wird das Zusammenspiel der Wasserbehörden beispielhaft erprobt, um Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten und den Austausch von Informationen voranzubringen.

Für alle fünf Wassereinzugsgebiete Afghanistans erarbeitet das Programm mit dem Ministerium für Energie und Wasser sowie den fünf Wasserbehörden (River Basin Agencies) wasserwirtschaftliche Rahmenpläne. Diese ermitteln vor allem, wie viel Wasser die Menschen in einer Region unter anderem für Landwirtschaft, Industrie und die Versorgung der Bevölkerung benötigen und in Zukunft benötigen werden. Die Ergebnisse gleichen sie mit den zur Verfügung stehenden Wasserressourcen ab. Die wasserwirtschaftlichen Rahmenpläne sind die Basis für eine effektive und effiziente Investitionsplanung im Wassersektor. Dazu zählen unter anderem der Bau von Bewässerungskanälen und Dämmen sowie der Aufbau einer städtischen Grundwasserversorgung. Das Programm unterstützt während der Planungsphase die afghanischen Behörden.

Schulungen für eine bessere Abwasserentsorgung

Damit die zuständigen Behörden die Abwasserentsorgung verbessern können, schult das Programmteam Mitarbeitende sowohl in fachlichen als auch in organisatorischen Fragen. In den letzten Jahren sind mehrere Fachabteilungen für Abwasser entsorgung neu aufgebaut worden, etwa in der Afghanischen Gesellschaft für die städtische Wasserversorgung und Abwasser entsorgung (AUWSSC) und im Ministerium für Stadtentwicklung und Land. Gemeinsam mit diesen Abteilungen wird die Datenerfassung im Abwasserbereich eingeführt und ein Abwassermasterplan für Herat entwickelt, der als Muster für andere Städte dienen soll.

Wasserversorgung ausbauen und Service verbessern

Um die Wasserversorgung ausbauen und den Service verbessern zu können, müssen Wasserversorger rentabel wirtschaften. Das Programmteam berät und schult daher das Personal des staatlichen Wasserversorgungsunternehmens AUWSSC in technischen und kaufmännischen Fragen. Es unterstützt AUWSSC dabei, die Anzahl der Hausanschlüsse zu erhöhen, mehr Wasserzähler einzubauen und Wasserverluste in den Leitungen zu reduzieren sowie konsequenter Wasserrechnungen auszustellen und nicht bezahlte Rechnungen einzufordern. Nur so können die Betriebskosten besser gedeckt werden.

Ein System zur Fortbildung von Betriebshandwerkern ist im Aufbau, um den Betrieb und die Wartung der Wasserinfrastruktur zu verbessern. AUWSSC und seine sechs regionalen Wasserversorgungsunternehmen betreiben mittlerweile rund 150.000 Hausanschlüsse. Sie versorgen damit rund 1,5 Millionen Menschen in den Städten Afghanistans mit sauberem Trinkwasser.

Übersicht

Programm:
Programm zur Verbesserung des Wassersektors (WSIP)
Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner:
Afghanische Gesellschaft für die städtische Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (Afghan Urban Water Supply and Sewerage Corporation, AUWSSC), Ministerium für Stadtentwicklung und Land (MUDL), Ministerium für Energie und Wasser (MEW), Nationale Umweltschutzagentur (NEPA), Wirtschaftsministerium (MoE)
Durchführungs-organisationen:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen:
Herat, Kabul
Programmziel:
Die für den Wassersektor zuständigen Institutionen werden in die Lage versetzt, eine bessere Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung zu gewährleisten.
Gesamtlaufzeit:
Oktober 2008 – Juni 2022