Den Fluten trotzen

Akakhil, Babanazar, Darwaza: drei kleine Dörfer in der Provinz Baghlan, im Norden Afghanistans. In den Dörfern leben 100 bis 200 Familien und obwohl diese ein ganzes Stück voneinander entfernt in einer Ebene liegen, haben sie dennoch einige Gemeinsamkeiten: Die Menschen hier leben vom Weizen- und Gemüseanbau und standen regelmäßig vor ihren zerstörten Bewässerungskanälen.

Denn in jedem Frühjahr stürzen die Fluten mit der Schneeschmelze aus den umliegenden Bergen ins Tal hinunter. Sie füllen die Flüsse allerdings nicht nur mit Wasser, sondern reißen Schlamm, Geröll und Steine mit sich. Dieses Gemenge lagerte sich in den sorgsam angelegten Bewässerungskanälen ab, die das Wasser auf die Felder der Bauern leiten sollten. Jahr für Jahr trommelten die Vorsitzenden der Wassernutzergemeinschaften Freiwillige zusammen, sammelten Geld ein und mieteten Geräte, um die Kanäle wieder frei zu legen. Eine ständig wiederkehrende Arbeit, denn der nächste starke Regen kam bestimmt und alles begann von vorn.

Haji Karim, Vorsitzender der Wassernutzergemeinschaft in Babanazar, veranschaulicht die Tragweite der verstopften Bewässerungskanäle: „Schlamm und Geröll lagerten sich ja nicht nur in den Kanälen ab. Sobald sie verstopft waren, überfluteten die Wassermassen unsere Felder und drangen in die Häuser ein. Das zerstörte unsere Ernten und beschädigte unser Hab und Gut.“

Die Bundesregierung hat in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Landwirtschaft, Bewässerung und Nutztiere der Provinz Baghlan die Wassernutzer-Gemeinschaften in den drei Dörfern unterstützt. So entstanden effiziente Schutzeinrichtungen und moderne Kanäle mit Kanalbrücken, die das Wasser auch bei starken Regenfällen kontrolliert auf die Felder leiten. Die neue Infrastruktur hat weitreichende Folgen, versichert Herr Naheem, Vorsitzender der Wassernutzer-Gemeinschaft des Dorfes Akakhil: „Wir haben die Wassermassen jetzt im Griff und können unsere Felder genau nach Bedarf bewässern!“ Das war in der Vergangenheit keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Waren die Kanäle nach den Fluten verstopft, waren zahlreiche Felder von der Bewässerung abgeschnitten. Darunter haben die Ernten gelitten und mit ihnen das Einkommen der Familien. „Das gehört nun der Vergangenheit an“, freut sich Naheem. „Mit den neuen Kanälen können wir jetzt sogar noch mehr Land bewässern und unsere Produktivität ist dadurch rasch gestiegen. Außerdem können wir das Wasser nun fair auf alle Landwirte verteilen, so dass alle etwas davon haben.“

Neben den Einheimischen profitiert auch der Durchgangsverkehr. Denn die Wassermassen machten auch vor der Straße nicht halt, hinterließen Geröll und Schlamm und beschädigten sie. Auch dieses Thema sei nun passé, bekräftigt Karim: „Wir können das Wasser kontrolliert abfließen lassen und verteilen. Es gelangt nur dorthin, wo es hinsoll – in die Bewässerungskanäle und auf unsere Felder.“

Ein Großteil der Haushalte in Afghanistan hängen von der Landwirtschaft ab. Aus diesem Grund unterstützt die Bundesregierung unter anderem Weizen- und Gemüsebauern, damit sie ihre Erträge erhöhen und ein besseres Einkommen erzielen können.

Veröffentlichung: 01/2018
Programm: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigungsförderung (SEDEP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Partner: Afghanische Ministerien: Ministerium für Industrie und Handel (MoCI), Ministerium für Finanzen, Ministerium für Landwirtschaft, Bewässerung und Viehzucht (MAIL), Ministerium für ländliche Rehabilitierung und Entwicklung (MRRD); Afghanische Industrie- und Handelskammer (ACCI)
Durchführungsorganisation: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen: Kabul, Badakhshan, Baghlan, Balkh, Samangan, Kunduz, Takhar
Programmziel: Das Programm zielt darauf ab, neue Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten für Afghanen zu schaffen. Die Aktivitäten konzentrieren sich auf fünf Wertschöpfungsketten, darunter Nüsse, Milchprodukte, Geflügel, Weizen und Gemüse.
Gesamtlaufzeit: März 2014 – Dezember 2018
 
Wir haben die Wassermassen jetzt im Griff und können unsere Felder genau nach Bedarf bewässern.
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