Modellschulen in Kabul – Wegweiser in die digitale Zukunft

Modellschulen dienen als Vorbilder für andere Schulen, setzen Standards und zeigen, wie guter Unterricht sowie gutes Schulmanagement funktionieren können.

Gleich drei solcher Schulen hat Kabul für besonders leistungsstarke Schüler und Schülerinnen zu bieten: Die Amani-Schule für Jungen, die Aisha-e-Durani-Schule für Mädchen und das Lyceé Jamhuriat, eine Wirtschaftsschule für Mädchen. 2014 beauftragte die Bundesregierung die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit der Unterstützung des Ausbaus der drei Schulen zu Modellschulen für Afghanistan.

Zunächst haben sich die Verantwortlichen der Schulen zahlreichen Veränderungen gestellt. Neue Personalstrukturen, effiziente Verwaltung der Finanzmittel und Gehälter, Gebäudemanagement – die neuen Aufgaben stellten die Schulleitungen vor erhebliche Herausforderungen. Doch Schulungen und Coaching durch internationale Expertinnen und Experten bereiteten sie darauf vor. Die Veränderungen haben sich gelohnt, denn die effizienteren Strukturen ermöglichen einen hochklassigen, in die digitale Zukunft gerichteten Unterricht für die Schülerinnen und Schüler.

Guter Unterricht stellt die Basis einer jeden Modellschule dar, doch dieser gelingt nur mit gut ausgebildeten Lehrkräften. Daher haben die Lehrenden der drei Schulen noch einmal selbst auf der Schulbank Platz genommen: Der Lehrplan beinhaltet sowohl moderne Didaktik und gewaltfreie Erziehung wie auch Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer. Zudem ist Deutsch als erste Fremdsprache im Unterrichtsplan der Schulen verbindlich verankert. Die engagierten Lehrkräfte haben das neue Wissen mittlerweile verinnerlicht und geben es an die Schülerinnen und Schüler weiter. Zudem ist die Entwicklung und Einführung moderner Lehrmethoden geplant, um so die Unterrichtsqualität an den Schulen weiter zu steigern. Auch Englisch als Fremdsprache soll zukünftig verstärkt unterrichtet werden.  

Neben der Unterrichtsqualität ist auch das Umfeld für den Lernerfolg entscheidend: Neue Turnhallen, Kantinen, Heizungsanlagen und die regelmäßige Reinigung der Schulen sorgen für ein angenehmes Lernklima, in dem sich die Kinder und Jugendlichen das ganze Schuljahr über wohl fühlen. Und auch die Ausstattung stimmt: Neue Laborräume mit Equipment, moderne Schulbücher, Kunst- und Musik-AGs bieten mehr als „nur“ Schule. Seit Ende 2018 warten die Amani-Jungen- und die Aisha-e-Durani-Mädchenschule mit einem weiteren Pluspunkt auf: Sie haben neue Computer mit passender Software und Internetanschluss – eine Besonderheit an afghanischen Schulen.

 25 Computerarbeitsplätze stehen im Informatikraum der Aisha-e-Durani Schule bereit, um von den Schülerinnen genutzt zu werden. Fünf weitere Computer stehen in der Schulbibliothek. Schulleiterin Shabnam Mahmudi ist begeistert: „Wir leben im 21. Jahrhundert. Da geht es ohne Computer nicht mehr. Die Mädchen haben jetzt die Möglichkeit, den Umgang mit moderner Software am Computer zu erlernen. Das erhöht später ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt immens.“ Für die rund 100 Schülerinnen der 10. bis 12. Klasse steht ab jetzt Informatik auf dem Stundenplan. Vorab haben die Lehrerinnen und Lehrer einen ersten viertägigen Computerkurs absolviert, der auf großes Interesse gestoßen ist. „Unsere Lehrkräfte möchten ihre Computerkenntnisse in weiteren Fortbildungen vertiefen, um noch besser unterrichten zu können“, beschreibt Mahmudi die Situation.

Auch in der Amani-Jungenschule wurden insgesamt 36 Computerarbeitsplätze installiert. „Wir haben mit einem sechstägigen Informatikkurs für unsere Lehrer begonnen“, macht Schulleiter Mohammad Alim Omid klar und setzt nach: „Wir leben im Zeitalter der Informationstechnologie. Computerkenntnisse sind inzwischen ein Muss.“ Weitere, vertiefende Informatikkurse für die Lehrkräfte an beiden Schulen sind daher geplant.

Auch das afghanische Bildungsministerium hat die Zeichen der Zeit erkannt und hat Informatikunterricht in seinen Lehrplänen verankert. Darüber hinaus stellt das Ministerium Informatiklehrbücher für die Klassen zehn bis zwölf bereit. Beste Vorrausetzungen also, Informatik als Unterrichtsfach an afghanischen Schulen zu etablieren.

Die Modellschulen zeigen, wie sich eine verbesserte Unterrichtsqualität realisieren lässt. Die nationale Bildungsstrategie Afghanistans sieht vor, die Erfahrungen aus den Modellschulen auf andere Schulen des Landes zu übertragen. So sollen in Zukunft alle Kinder und Jugendlichen in Afghanistan von dieser progressiven Bildungsstrategie profitieren.

 

Veröffentlichung: 04/2019
Programm: Stärkung von Deutschland geförderten Schulen in Afghanistan
Auftraggeber: Auswärtiges Amt (AA)
Partner: Bildungsministerium Afghanistan, Amani-Schule für Jungen, Aisha-e-Durani-Schule für Mädchen, Lycée Jamhuriat, Wirtschaftsgymnasium für Mädchen
Durchführungsorganisation: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Provinzen: Kabul
Programmziel: Schaffung von Grundlagen für den Ausbau der drei von Deutschland geförderten Schulen in Kabul zu Modellschulen

 

Die Mädchen haben jetzt die Möglichkeit, den Umgang mit moderner Software am Computer zu erlernen. Das erhöht später ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt immens.
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